Der Bausparvertrag - Altmodische Sparform oder ein zukunftsfähiger Finanzierungsbaustein?
Es gibt Produkte, die sich ein Image erarbeitet haben und dies in der Werbung immer wieder herausstellen. Die Sicherheit eines schwedischen Autos, ein Schokoriegel wird die längste Praline der Welt oder ein Optiker erfindet einen Nulltarif, den nahezu jeder kennt.
Dann gibt es noch das andere Image: Langweilig und spießig wie ein Bausparer! Dieses Image machen sich die Bausparkassen teilweise zu Nutzen und setzen dieses mit einem Augenzwinkern als Werbebotschaft ein.
Ist Bausparen langweilig und spießig?
Wenn man die lange Geschichte des Bausparens betrachtet, erscheint einem diese Sparform auf den ersten Blick tatsächlich nicht modern. Das täuscht aber! Nicht umsonst haben 23% der Deutschen mindestens einen Bausparvertrag und insgesamt haben die Bausparkassen in Deutschland aktuell rund 30 Millionen Bausparverträge im Bestand. Statistisch gibt es somit mehr Bausparer als ADAC- Mitglieder.
Zunächst aber einen Blick auf die Geschichte des Bausparens: Vor 140 Jahren wurde das System des Bausparens von Pastor Bodelschwingh aus Bielefeld ins Leben gerufen. Das Ziel war, auch einfachen Menschen ein Eigenheim zu ermöglichen. Das Bausparen war aber nicht die bekannteste Errungenschaft von Pastor Bodelschwingh: Er war auch Mitbegründer der bekannten Stiftung Bethel. Diese setzt sich heute noch in vielen Bereichen für bedürftige Menschen ein.
Gemeinsam schneller ins eigene Haus
Das System des Bausparens entspricht ursprünglich grob dem einer Genossenschaft. „Einer für alle und alle für einen“. Keiner wird benachteiligt - aber alle habe Vorteile. Beispielhaft erklärt: 30 Personen möchten jeweils eine Immobilie zum Preis von 300.000 € kaufen. Jeder kann pro Jahr 10.000 € dafür sparen. Wenn jeder für sich spart, dauert es für jeden Einzelnen 30 Jahre, bis das Geld für den Hauskauf ausreicht.
Zahlen die 30 Personen ihre jährliche Sparleistung in Höhe von 10.000 € aber in einem gemeinsamen Topf ein, kann der erste schon nach einem Jahr 300.000 € für seinen Hauskauf bekommen - also 29 Jahre schneller. Der zweite bekommt seine 300.000 € schon 28 Jahre schneller und so weiter. Durch die weiteren vorhanden Sparleistungen und die zusätzlichen Rückzahlungen zuzüglich eines Zinses, bekommen die Sparer immer früher die notwendigen 300.000 €. Keiner der 30 Leute muss länger warten, wie wenn er alleine spart, aber alle bekommen früher die gewünschten 300.000 €.
Bausparen heute
Bei den 30 Millionen heute vorhandenen Bausparverträgen ist die Formel natürlich deutlich komplizierter. Es bleibt aber dabei: Eine Solidargemeinschaft spart an, damit die Mitglieder günstig zu Immobilienbesitz kommen. Und der Kreditzins ist meist günstiger, als der aktuelle Zinssatz für Baufinanzierungen.
Was sich auch nicht geändert hat ist die finanzielle Absicherung, die einem die eigenen vier Wände bieten. Aus diesem Grund ist das Bausparen auch eine der am großzügigsten geförderten Sparformen in Deutschland. Von der Arbeitnehmersparzulage über die Wohnungsbauprämie bis zur Riester- Förderung für Bausparverträge.
Bausparen in der Praxis
Besonders durch die zahlreichen Förderungen gibt es eine Vielzahl von Bausparvarianten: Die reinen Sparverträge, bei denen neben den Guthabenzinsen die staatlichen Förderungen einfließen. Der durch die regelmäßige Besparung erworbene Kreditanspruch spielt eine untergeordnete Rolle.
Die Kreditvarianten des Bausparens sind noch interessanter: Mit Abschluss eines Bausparvertrages vereinbart man eine Vertragssumme, die Bausparsumme. Von dieser Bausparsumme spart man in einem vorkalkulierten Zeitraum einen prozentualen Anteil an. Dieser liegt zwischen 30% und 50%. Die Differenz zur Bausparsumme wird dann als Darlehen zu einem garantierten Zins ausgezahlt. Diese Varianten sind als Vorsorgevertrag für Immobilienbesitzer für zukünftige Investitionen ideal. Quasi wie ein Krankenschein für‘s Haus.
Aber auch als Baustein für eine neue Immobilienfinanzierung ist der Bausparvertrag eine gute Möglichkeit einen Teil der Finanzierung gegen Zinsrisiken abzusichern.
Letztlich ist das Zielsparen für eine Baufinanzierung einer der häufigsten Anlässe zum Abschluss eines Bausparvertrages. Auch mit kleinen Beträgen erarbeitet man sich einen zukünftigen Finanzierungsbaustein für die eigene Immobilie und erleichtert der Bank damit später die Entscheidung einer Kreditzusage. Die Bank hat auf der einen Seite ein geringeres Risiko und auf der anderen Seite hat der Antragsteller mit seinen Sparleistungen die Bereitschaft zum Konsumverzicht bewiesen. Das ist nur ein Baustein der Finanzierung - aber jeder Hausbau beginnt mit dem ersten Stein.
Resümee
Ja, vielleicht wirkt Bausparen spießig. Man bekommt staatliche Förderungen, richtet einen Dauerauftrag mit einer Sparrate ein und möchte das Risiko vom gestiegenen Zinsen vermeiden. Unter diesen Gesichtspunkten ist es aber ratsam, spießig zu sein.