Keine Entlastung für Käufer in Sicht: Die Zinsen bleiben, wo sie sind
Die Hoffnung vieler Immobilienkäufer auf sinkende Zinsen hat erneut einen Dämpfer erhalten. Die Europäische Zentralbank hat in ihrer ersten Sitzung 2026 beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen, berichtet die IZ. Der Einlagenzins bleibt bei 2,0 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 %. Wer auf günstigere Finanzierungsbedingungen gewartet hat, muss sich weiter gedulden.
Warum passiert nichts?
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont, die Inflation bewege sich auf Kurs Richtung Zielwert von 2 %. Gleichzeitig bleibt das globale Umfeld unsicher – Handelskonflikte und geopolitische Spannungen sorgen dafür, dass die Notenbank lieber abwartet, als vorschnell zu handeln. Oliver Rakau von Oxford Economics bringt es auf den Punkt: „Aus EZB-Sicht gibt es derzeit eigentlich keinen Grund, zu reagieren."
Zwar steigen in Deutschland die staatlichen Investitionsausgaben, doch deren Wirkung lässt auf sich warten. Erfahrungsgemäß werden über 20 % der geplanten Mittel nicht im vorgesehenen Jahr abgerufen – Bürokratie und Verwaltungsverzögerungen bremsen den erhofften Wachstumsimpuls aus.
Was heißt das für Immobilienkäufer?
Die Baufinanzierungszinsen bewegen sich weiterhin in einer Spanne von rund 3,5 % bis 4 %. Zwar gab es zuletzt leichte Entspannungstendenzen, aber von einer echten Trendwende kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Rund zwei Drittel der im Interhyp-Bankenpanel befragten Experten rechnen im weiteren Jahresverlauf sogar mit einer Rückkehr zur 4-Prozent-Marke oder darüber.
Noch unangenehmer: Rakau hält es für möglich, dass die Inflation bis Ende 2027 wieder Richtung 3 % klettert – was die EZB sogar zu erneuten Zinserhöhungen veranlassen könnte.
Planbarkeit statt Hoffnung
Einen positiven Aspekt gibt es dennoch: Das stabile Zinsniveau schafft Planungssicherheit. Wer heute finanziert, weiß zumindest, woran er ist. Francesco Fedele von BF Direkt formuliert es so: Planbarkeit sei aktuell wichtiger als schnelle Zinssenkungen, die angesichts des weiterhin hohen Preisdrucks im Dienstleistungssektor ohnehin falsche Erwartungen wecken würden.
Für Käufer heißt das: Abwarten auf das große Zinstief ist keine Strategie. Wer kaufen will und die aktuelle Belastung tragen kann, sollte sich nicht von der Hoffnung auf deutlich sinkende Zinsen leiten lassen - denn danach sieht es derzeit schlicht nicht aus.