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Altbau: Definition, Merkmale und worauf Käufer achten sollten

Was genau ist ein Altbau? Baujahr, typische Merkmale, Vor- und Nachteile sowie praktische Tipps für Kaufinteressenten im Überblick.

Altbau: Definition, Merkmale und worauf Käufer achten sollten

Der Begriff Altbau bezeichnet Gebäude, die vor einem bestimmten Stichtag errichtet wurden und charakteristische baukonstruktive sowie gestalterische Merkmale aufweisen. Die Definition ist nicht gesetzlich fixiert, unterliegt jedoch allgemeiner Marktkonvention.

Definition und zeitliche Abgrenzung

In der Immobilienwirtschaft und in Mietspiegeln hat sich als Abgrenzungskriterium mehrheitlich das Jahr 1949 etabliert. Diese Zäsur korrespondiert mit dem fundamentalen Wandel der Bauweise nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachkriegsbauweise orientierte sich an Standardisierung, Rationalisierung und Materialeinsparung, während vorkriegszeitliche Bauweise durch aufwendigere Konstruktion und großzügigere Raumdimensionierung charakterisiert war.

Regional werden auch alternative Stichtage verwendet, beispielsweise 1945 (Kriegsende) oder 1918/1920 (Ende Kaiserzeit, Ende des Jugendstils). Eine einheitliche Definition existiert nicht.

Charakteristische Merkmale

Raumhöhe: Altbauwohnungen weisen typischerweise Raumhöhen von 3,00 bis 3,50 Metern auf. Diese überdurchschnittliche Höhe resultierte aus repräsentativen Ansprüchen und bauphysikalischen Erwägungen zur Tageslichtausbeute und Raumklima-Regulierung.

Stuckornamentik: Insbesondere in der Gründerzeit (1870 bis 1914) waren aufwendige Stuckarbeiten an Decken und Wänden Standard. Rosetten, Zierleisten und Profilierungen zeugten von handwerklicher Qualität. Viele Ornamente wurden in späteren Modernisierungswellen der 1960er und 1970er Jahre entfernt und werden heute zu erheblichen Kosten (80 bis 150 Euro pro Quadratmeter) rekonstruiert.

Holzdielen: Massive Dielenböden aus Eiche oder Kiefer sind charakteristisch. Bei ordnungsgemäßer Pflege erreichen sie Nutzungsdauern von über 100 Jahren und können mehrfach abgeschliffen werden.

Kastenfenster: Doppelflügelige Fenster mit zwei separaten Rahmen und dazwischenliegender Luftschicht. Bieten historische Authentizität, weisen jedoch unzureichende Wärmedämmung nach zeitgenössischen Standards auf.

Bauphysikalische und technische Einschränkungen

Energieeffizienz: Unsanierte Altbauten weisen typischerweise Energiekennwerte über 200 kWh pro Quadratmeter und Jahr auf. Dies entspricht dem Doppelten moderner Neubauten. Heizkosten fallen entsprechend höher aus.

Elektroinstallation: Elektrosysteme aus den 1920er Jahren waren für minimale Lasten dimensioniert. Zeitgenössische Verbraucher (Computer, Haushaltsgeräte, Induktionsherd) überfordern häufig die historische Installation. Kompletterneuerung der Elektrik kostet für eine Wohnung typischerweise 12.000 bis 18.000 Euro.

Wasserinstallation: Bleileitungen finden sich in Gebäuden vor 1920, trotz gesundheitlicher Bedenken. Verzinkte Stahlrohre korrodieren zeitabhängig. Beide Systeme erfordern Austausch.

Schallschutz: Holzbalkendecken übertragen Trittschall erheblich. Die Körperschallübertragung ist konstruktionsbedingt und schwer zu sanieren. Lärmempfindliche Personen sollten dies berücksichtigen.

Wertfaktoren

Lage: Altbauviertel befinden sich häufig in zentralen, infrastrukturell erschlossenen Stadtlagen mit gewachsenen Strukturen. Die Lagequalität kompensiert häufig bauliche Nachteile und rechtfertigt Preisaufschläge.

Raumqualität: Hohe Decken, große Fenster und Lichtführung erzeugen Raumwirkung, die in Standardneubauten nicht replizierbar ist.

Individualität: Jeder Altbau weist individuelle Merkmale auf (Erker, spezifische Grundrisse, historische Details). Dies steht im Kontrast zur Standardisierung vieler Neubauprojekte.

Kostenstruktur

Kaufpreis: In begehrten innerstädtischen Lagen liegen Altbaupreise aufgrund hoher Nachfrage häufig über Neubauniveau.

Sanierungskosten: Umfassende Kernsanierung inklusive Elektrik, Sanitär und Bädern erfordert 1.500 bis 2.500 Euro pro Quadratmeter. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung ergeben sich 120.000 bis 200.000 Euro.

Laufende Kosten: Heizkosten, Instandhaltungsrücklagen und Versicherungen fallen dauerhaft höher aus. Bei Wohnungseigentumsgemeinschaften sind anstehende Sanierungsbeschlüsse zu prüfen.

Denkmalschutz

Viele Altbauten unterliegen dem Denkmalschutz, was Vor- und Nachteile beinhaltet:

Restriktionen: Änderungen an Fassade und historischer Bausubstanz erfordern denkmalrechtliche Genehmigung. Fensteraustausch muss historischen Gestaltungsprinzipien folgen, typischerweise keine Kunststoffrahmen. Balkonanbauten sind üblicherweise nicht genehmigungsfähig.

Steuerliche Förderung: Sanierungskosten können steuerlich abgeschrieben werden. Bei vermieteten Objekten über 12 Jahre vollständig, bei Selbstnutzung 90 Prozent über 10 Jahre gemäß § 7i EStG (Selbstnutzung) bzw. § 7h EStG (Vermietung).

Vor Erwerb sollte Kontaktaufnahme mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde erfolgen, um Ge staltungsspielräume zu klären.

Begutachtung vor Erwerb

Die Hinzuziehung eines Bausachverständigen ist zu empfehlen. Kosten 400 bis 600 Euro können erhebliche Folgekosten vermeiden.

Zu prüfen sind:

  • Dach und Fassade: Sanierungszeitpunkt, Durchfeuchtungen

  • Kellerbereich: Feuchtigkeitsschäden, aufsteigende Nässe

  • Holzbauteile: Hausschwamm, Insektenbefall

  • Elektrik und Leitungen: Alter, Modernisierungsbedarf

Bei Eigentumswohnungen: Protokolle der letzten fünf Eigentümerversammlungen studieren. Diese dokumentieren geplante Sanierungen, Höhe der Instandhaltungsrücklage und eventuelle Konflikte.

Energieausweis: Gibt Orientierung über Energiebedarf. Werte über 200 kWh pro Quadratmeter indizieren hohe Heizkosten.

Energetische Sanierung

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) definiert Sanierungspflichten bei Eigentümerwechsel. KfW-Kredite, BAFA-Zuschüsse für Heizungstausch und steuerliche Förderung (§ 35c EStG) sind verfügbar. Die Beantragung ist komplex. Energieberater unterstützen und werden selbst bezuschusst.

Fazit

Altbauten vereinen charakteristische Raumqualität und historischen Charme mit erhöhtem Instandhaltungsaufwand und höheren Betriebskosten. Die Entscheidung für einen Altbau ist nicht primär wirtschaftlich motiviert, sondern beruht auf Wertschätzung spezifischer Qualitäten.

Für Käufer sind gründliche Zustandsprüfung, realistische Kalkulation der Sanierungskosten und Akzeptanz höherer laufender Kosten essentiell. Bei sorgfältiger Prüfung und ausreichendem Budget bieten Altbauten Wohnqualität, die in Neubauten nicht reproduzierbar ist.

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