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Klinkerfassade: Vorteile, Kosten und Pflege

Die Klinkerfassade als robuste Außenhaut: Eigenschaften, Kosten im Vergleich zu Putz und warum Klinker in manchen Regionen Standard ist.

Klinkerfassade: Vorteile, Kosten und Pflege

Die Klinkerfassade ist historisch besonders in Norddeutschland verbreitet (Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Teile Nordrhein-Westfalens). In Süddeutschland kommt sie seltener vor, ist aber keineswegs unüblich. Diese regionale Verteilung hat sowohl historische als auch klimatisch-praktische Ursachen. Die charakteristischen Eigenschaften des Materials machen Klinkerfassaden zu einer langlebigen und wartungsarmen Lösung für die Gebäudehülle.

Definition und Materialcharakteristik

Klinker sind keramische Ziegel, die typischerweise bei circa 1.150 bis 1.300 Grad Celsius bis an die Sintergrenze gebrannt werden. Bei diesem Hochtemperaturbrand sintert das Material, wodurch die Poren weitgehend geschlossen werden. Klinker nach DIN 105-100 weisen eine maximale Wasseraufnahme von 6 Masseprozent auf.

Eine Klinkerfassade besteht aus diesen hochgebrannten Ziegeln, die entweder als tragende Außenwand oder als vorgesetzte Verblendschale (Vormauerschale) ausgeführt werden. Bei modernen zweischaligen Konstruktionen besteht die Wandkonstruktion typischerweise aus einer tragenden Innenschale, einer Wärmedämmschicht, optional einer belüfteten Luftschicht (mindestens 40 Millimeter) oder Kerndämmung ohne Luftschicht, und der außenliegenden Klinkerschale als Witterungsschutz. Die Planung erfolgt nach DIN EN 1996 (Eurocode 6) mit Nationalem Anhang.

Vorteile

Die Klinkerfassade zeichnet sich durch mehrere charakteristische Eigenschaften aus:

Langlebigkeit: Klinkersteine sind sehr dauerhaft und erreichen eine Nutzungsdauer von 50 bis 100 Jahren und mehr. Allerdings sind die Mörtelfugen häufig nach 40 bis 60 (maximal 80) Jahren zu erneuern. Im Gegensatz zu Putzfassaden, die typischerweise nach 20 bis 30 Jahren saniert werden müssen, entfällt jedoch eine grundlegende Überarbeitung der Steine selbst.

Witterungsbeständigkeit: Die hochverdichtete Oberfläche ist resistent gegen mechanische Beanspruchung durch Hagel, Wind und Frost. Die Materialoberfläche ist kratz- und stoßfest und zeigt keine Verwitterungserscheinungen wie Abplatzungen oder Rissbildung.

Bauphysikalische Eigenschaften: Die massive Steinschale verfügt über eine hohe Wärmespeicherkapazität. Dies führt zu einer zeitverzögerten Wärmeabgabe und trägt zur Temperaturstabilisierung bei. Im Sommer verzögert sich die Wärmeeinleitung in das Gebäude, im Winter wird eingestrahlte Sonnenenergie zwischengespeichert.

Brandschutz: Klinker sind nichtbrennbar (Euroklasse A1 nach DIN EN 13501-1; national: Baustoffklasse A1 nach DIN 4102-1) und erfüllen höchste Anforderungen an den Brandschutz.

Wartungsfreiheit: Klinkerfassaden erfordern keine regelmäßige Renovierung wie Anstrich oder Putzausbesserung. Die Farbgebung ist materialimmanent und verblasst nicht.

Nachteile und Einschränkungen

Der Verwendung von Klinkerfassaden stehen auch Einschränkungen gegenüber:

Investitionskosten: Die Kostenspannen für Verblendmauerwerk liegen je nach Steinqualität, Verband und Region zwischen circa 106 und 413 Euro pro Quadratmeter (Material 45 bis 300 Euro pro Quadratmeter, Lohn 40 bis 75 Euro pro Quadratmeter). Putzfassaden kosten deutlich weniger. Über den gesamten Lebenszyklus relativiert sich diese Differenz durch entfallende Sanierungskosten.

Regionale Gestaltungstradition: Die Klinkeroptik ist regional unterschiedlich akzeptiert und kann bei Wiederverkauf in Regionen ohne Klinkertradition die Marktgängigkeit beeinflussen.

Wärmedämmung: Bei zweischaligen Konstruktionen liegt die Dämmebene zwischen den Schalen. Fehlerhafte Ausführung der Anschlussdetails kann zu Wärmebrücken führen. Die nachträgliche Verbesserung der Dämmung erfordert entweder den Rückbau der Klinkerschale oder eine Innendämmung.

Klinkerarten und Ausführungen

Die technische Klassifizierung unterscheidet folgende Klinkerarten:

Vollklinker: Vollständig durchgebrannter massiver Stein ohne Hohlräume. Wird für tragende Konstruktionen und hochbeanspruchte Fassaden verwendet.

Hochlochklinker: Neben Vollklinkern werden auch Hochlochklinker (KHLz) in Verblendschalen eingesetzt. Sie sind nach EN 771-1 und DIN 105-100 genormt und für Sichtmauerwerk geeignet.

Klinkerriemchen: Dünnformatige Elemente mit 10 bis 25 Millimeter Stärke (herstellerabhängig), die auf einen tragenden Untergrund aufgeklebt werden. Stellen eine kostengünstigere Alternative zur vollwertigen Vormauerschale dar, unterscheiden sich jedoch optisch durch geringere Schattenwirkung der Fugen.

Die Farbgebung variiert von Hellgelb über Rottöne bis zu Dunkelbraun und Anthrazit. Die Farbe entsteht durch die Tonzusammensetzung und die Brenntemperatur und durchdringt den gesamten Stein, sodass Abnutzung nicht zu Farbveränderungen führt.

Kostenanalyse

Für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Fassadenfläche ergeben sich folgende Kostenansätze:

Vollklinker-Vormauerschale: 15.000 bis 25.000 Euro (Material und Mauerarbeiten) Klinkerriemchen: 8.000 bis 15.000 Euro Putzfassade (Vergleich): 6.000 bis 12.000 Euro

Zusätzlich sind Gerüstkosten, Wärmedämmung und Anschlussarbeiten an Fenstern und Türen zu berücksichtigen.

Die Lebenszyklusbetrachtung über 50 Jahre zeigt:

  • Klinkerfassade: Initialkosten ohne wesentliche Folgekosten

  • Putzfassade: Initialkosten zuzüglich zwei Sanierungen zu je 8.000 bis 15.000 Euro

Bei langfristiger Betrachtung erreichen beide Systeme ein vergleichbares Kostenniveau, wobei die Klinkerfassade zusätzlich den Vorteil der Wartungsfreiheit bietet.

Instandhaltung und Sanierung

Klinkerfassaden erfordern minimale, aber nicht vollständig entfallende Instandhaltung:

Fugensanierung: Die Mörtelfugen erreichen eine Lebensdauer von 50 bis 80 Jahren. Eine Neuverfugung kostet 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter.

Ausblühungen: Salzausblühungen können insbesondere in den ersten Jahren nach Errichtung auftreten. Diese sind bauphysikalisch unbedenklich und verschwinden in der Regel selbstständig. Persistente Ausblühungen können durch Abwaschen entfernt werden.

Steinaustausch: Einzelne beschädigte Klinker können ausgetauscht werden, wobei solche Schäden selten auftreten.

Biologischer Bewuchs: An nordexponierten Fassadenbereichen kann Moos- oder Algenbewuchs auftreten. Die Reinigung sollte vorsichtig erfolgen. Hochdruck kann Fugen schädigen und sollte nur nach Probefläche angewendet werden. Bevorzugt werden pH-neutrale, biozidfreie Spezialreiniger mit Niederdruckverfahren. Säurehaltige Reiniger sind zu vermeiden.

Bewertungskriterien bei Bestandsimmobilien

Bei der Begutachtung von Immobilien mit Klinkerfassade sind folgende Aspekte zu prüfen:

Fugenzustand: Ausgewaschener oder mürber Fugenmörtel indiziert anstehenden Sanierungsbedarf.

Rissbildung: Risse in der Fassade können auf Setzungen, strukturelle Schäden oder Mängel in der Gründung hinweisen.

Feuchtigkeitsschäden: An gut belüfteten Fassadenbereichen sollte kein biologischer Bewuchs vorliegen. Feuchtigkeitsflecken deuten auf Schäden der Abdichtung oder der Hinterlüftung hin.

Anschlussdetails: Fenster- und Türanschlüsse sind auf saubere Ausführung und Dichtheit zu prüfen.

Wandkonstruktion: Bei Altbauten ist zu ermitteln, ob eine einschalige Konstruktion ohne Wärmedämmung vorliegt. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Energieeffizienz.

Denkmalschutz und energetische Sanierung

In vielen städtischen Bereichen unterliegen Klinkergebäude dem Denkmalschutz oder befinden sich in Erhaltungsgebieten. Dies kann folgende Einschränkungen zur Folge haben:

Veränderungen der Fassadenoptik können untersagt sein. Fenstertausch muss häufig unter Berücksichtigung historischer Gestaltungsprinzipien erfolgen.

Außenseitige energetische Sanierung ist in vielen Fällen schwierig, sodass häufig eine Innendämmung erforderlich wird. Diese ist technisch anspruchsvoller und mit höheren Kosten verbunden. Nach § 105 Gebäudeenergiegesetz (GEG) sind bei Baudenkmalen Abweichungen und Befreiungen möglich, wenn die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigt würden oder Maßnahmen unverhältnismäßig sind. Die Entscheidung erfolgt im Einzelfall in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde.

Vor Erwerb denkmalgeschützter Objekte sollte daher eine Klärung der bauordnungsrechtlichen und denkmalrechtlichen Rahmenbedingungen erfolgen.

Fazit

Die Klinkerfassade stellt eine Fassadenlösung mit überdurchschnittlicher Lebensdauer und minimalen Instandhaltungsanforderungen dar. Die höheren Initialkosten werden durch entfallende Sanierungszyklen kompensiert. Bei Bestandsimmobilien deutet eine Klinkerfassade in der Regel auf solide Bauausführung hin, wobei bei Altbauten ohne Wärmedämmung die energetische Qualität zu berücksichtigen ist.

Die regionale Akzeptanz der Klinkeroptik sollte bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt werden, da sie die Marktgängigkeit beeinflussen kann.

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