Flur
Die Flur ist eine Einheit im Kataster – sie gliedert Gemarkungen in überschaubare Abschnitte zur Grundstücksidentifizierung.
Flur: Ordnung im Grundstückswesen
Wer ein Grundstück kauft, begegnet der Flurnummer unweigerlich. Sie steht im Grundbuch, auf der Flurkarte und im Kaufvertrag. Doch was genau ist eine Flur, und warum gibt es sie überhaupt?
Was ist eine Flur?
Die Flur ist eine Gliederungseinheit des Liegenschaftskatasters. Sie fasst mehrere Flurstücke zu einem überschaubaren Bereich zusammen. Mehrere Fluren bilden wiederum eine Gemarkung.
Das Kataster folgt damit einer dreistufigen Hierarchie:
Gemarkung: Größte Einheit, meist entsprechend den historischen Gemeindegrenzen
Flur: Untereinheit der Gemarkung, nummeriert
Flurstück: Kleinste Einheit, das einzelne Grundstück
Ein Grundstück wird also eindeutig identifiziert durch: Gemarkung, Flur, Flurstücksnummer. Diese Angaben finden sich in jedem Grundbuchauszug.
Historischer Hintergrund
Das System der Fluren stammt aus der Zeit der Landesvermessung im 18. und 19. Jahrhundert. Damals wurde das gesamte Land systematisch vermessen und in Karten erfasst.
Um die Arbeit zu strukturieren, wurden die Gebiete in handhabbare Einheiten aufgeteilt. Die Flur war ein Kartenblatt, auf dem die einzelnen Parzellen dargestellt wurden. Die Größe einer Flur richtete sich danach, was auf einem Kartenblatt übersichtlich abgebildet werden konnte.
In ländlichen Gebieten entspricht die Flur oft natürlichen Einheiten wie einem Tal, einem Hang oder einer zusammenhängenden Ackerfläche. In Städten orientiert sich die Flureinteilung eher an Straßenzügen oder Stadtvierteln.
Die Flurnummer
Jede Flur innerhalb einer Gemarkung erhält eine eigene Nummer. Diese Flurnummer ist eine fortlaufende Ziffer, meist ein- bis dreistellig.
Die Nummerierung erfolgt nach bestimmten Systematiken, die regional unterschiedlich sein können. In manchen Gegenden beginnt die Zählung im Norden, in anderen im Ortskern.
Beispiel: Ein Grundstück könnte die Bezeichnung haben: Gemarkung Musterstadt, Flur 7, Flurstück 142/3.
Flur und Flurstück – der Unterschied
Diese Begriffe werden oft verwechselt:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Flur | Verwaltungseinheit, enthält viele Flurstücke |
| Flurstück | Das einzelne Grundstück mit eigener Nummer |
Ein Flurstück gehört immer zu genau einer Flur. Die Flurstücksnummer ist nur innerhalb der Flur eindeutig. Deshalb muss zur vollständigen Identifizierung immer auch die Flurnummer angegeben werden.
Praktische Bedeutung
Für den Grundstückseigentümer hat die Flur vor allem Identifikationsfunktion:
Im Grundbuch
Das Grundbuchblatt verweist auf Gemarkung, Flur und Flurstück. Diese Angaben verbinden das juristische Grundbuch mit dem technischen Kataster.
Im Kaufvertrag
Im notariellen Kaufvertrag wird das Grundstück mit allen Katasterangaben bezeichnet: Gemarkung, Flur, Flurstück, Fläche.
Beim Vermessen
Vermessungsingenieure arbeiten mit Flurnummern, um Grundstücke zu lokalisieren und zu vermessen.
In Bebauungsplänen
Auch Bebauungspläne beziehen sich auf das Kataster. Die Planzeichnung zeigt die Flurstücke mit ihren Nummern.
Flurkarte und Flurbereinigung
Der Begriff Flur taucht in verschiedenen Zusammenhängen auf:
Flurkarte
Die Flurkarte (auch Liegenschaftskarte oder Katasterkarte) ist die amtliche Karte, die alle Flurstücke einer Flur darstellt. Sie zeigt Grenzen, Gebäude und Nutzungsarten.
Flurbereinigung
Die Flurbereinigung ist ein Verfahren zur Neuordnung von Grundstücken. Sie wird durchgeführt, wenn die Grundstücksstruktur unwirtschaftlich ist – etwa viele kleine, verstreute Parzellen in der Landwirtschaft.
Bei einer Flurbereinigung werden Grundstücke neu eingeteilt und die Flurstücksnummern geändert. Die Fluren selbst bleiben meist bestehen.
Änderungen der Flureinteilung
Die Flureinteilung ist historisch gewachsen und wird nur selten geändert. Anlässe können sein:
Gemeindefusionen oder -trennungen
Große Infrastrukturprojekte
Digitalisierung des Katasters
Bei Änderungen erhalten die betroffenen Grundstücke neue Flurstücknummern. Das Grundbuch wird entsprechend berichtigt.
Regionale Unterschiede
Das Katasterwesen ist in Deutschland Ländersache. Die Begriffe und Strukturen können regional variieren:
In manchen Bundesländern heißt die Flur auch Gewann oder Lage
Die Nummerierungssysteme unterscheiden sich
Die Größe der Fluren variiert erheblich
Trotz dieser Unterschiede gilt überall das Grundprinzip: Gemarkung, Flur, Flurstück als hierarchische Gliederung.
Digitales Kataster
Mit der Digitalisierung des Liegenschaftskatasters haben sich die Arbeitsmethoden geändert. Die alten Kartenblätter wurden durch digitale Datenbanken ersetzt. Die Flur als Gliederungseinheit bleibt aber erhalten.
In vielen Bundesländern können Flurkarten online eingesehen werden. Die Portale heißen zum Beispiel:
BORIS (Bodenrichtwertinformationssystem)
Geoportal des jeweiligen Bundeslandes
ALKIS-Auskunft
Für Immobilienkäufer
Wenn Sie ein Grundstück kaufen, sollten Sie die Katasterangaben prüfen:
Stimmen die Angaben überein? Grundbuch und Kataster müssen zusammenpassen.
Ist das Grundstück vollständig erfasst? Manchmal gehören zu einem Grundstück mehrere Flurstücke.
Gibt es Unstimmigkeiten? Abweichungen können auf Grenzfehler oder Übertragungsfehler hinweisen.
Der Notar prüft die Angaben vor der Beurkundung. Trotzdem schadet ein eigener Blick ins Kataster nicht.
Fazit
Die Flur ist ein Baustein der deutschen Grundstücksverwaltung. Als Gliederungsebene zwischen Gemarkung und Flurstück hilft sie, Grundstücke eindeutig zu identifizieren. Für Grundstückseigentümer und Käufer ist die Flurnummer ein wichtiger Bestandteil der Grundstücksbezeichnung, auch wenn im Alltag meist das Flurstück im Vordergrund steht.
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