Solingen
Solingen
Düsseldorf
Düsseldorf
Niederlande
Niederlande

Solingen

Düsseldorf

People shaking hands
Verkauf
People under a blanket
Vermietung

Vermietung

0212 264 11 44   Öffnet morgen um 9:00  

Baualtersklasse

Die Baualtersklasse kategorisiert Gebäude nach ihrer Entstehungszeit – ein

Baualtersklasse

Die Baualtersklasse ordnet Gebäude anhand ihres Baujahrs in Kategorien ein. Diese Klassifizierung dient der Immobilienbewertung, energetischen Analyse und Stadtplanung.

Definition

Die Baualtersklasse gruppiert Gebäude nach ihrem Entstehungszeitraum. Die Einteilung orientiert sich an historischen Entwicklungen und Änderungen der Bauvorschriften. Je nach Quelle variieren die Klassengrenzen geringfügig.

Eine verbreitete Einteilung:

KlasseZeitraumTypische Bezeichnung
Abis 1918Gründerzeit, Altbau
B1919–1948Zwischenkriegszeit
C1949–1957Frühe Nachkriegszeit
D1958–1968Wirtschaftswunder
E1969–1978Späte Nachkriegsmoderne
F1979–1983Erste Wärmeschutzverordnung
G1984–1994Verbesserte Dämmstandards
H1995–2001Vor EnEV
I2002–2008EnEV 2002
J2009–2015EnEV 2009/2014
Kab 2016GEG, aktueller Standard

Bedeutung für verschiedene Akteure

Käufer: Das Baujahr gibt Hinweise auf Sanierungsbedarf, Schadstoffbelastung und energetischen Zustand.

Gutachter: Bei der Wertermittlung nach ImmoWertV fließt die Baualtersklasse in die Berechnung ein.

Energieberater: Die Baualtersklasse ermöglicht ohne Baupläne Rückschlüsse auf Wandstärken und Dämmstandards.

Banken: Das Gebäudealter spielt bei der Beleihungswertermittlung eine Rolle.

Versicherungen: Gebäudeversicherungen berücksichtigen das Baualter bei der Risikobewertung.

Charakteristika nach Baualtersklassen

Altbau bis 1918

Gründerzeitbauten weisen massive Ziegelwände, hohe Decken und aufwendige Fassadengestaltung auf. Typische Merkmale:

  • Wandstärken von 50 bis 80 cm

  • Holzbalkendecken, häufig ohne Füllung

  • Kastendoppelfenster

  • Ursprünglich Kohleöfen als Heizung

  • Kein Wärmeschutz nach heutigen Standards

Zwischenkriegszeit 1919–1948

Rationellere Bauweise mit dünneren Wänden. Charakteristisch:

  • Wandstärken 30–50 cm

  • Erste Betondecken

  • Einfachere Ausstattung

  • Teilweise experimentelle Bauweisen

Nachkriegsbau 1949–1968

Schneller und günstiger Wohnungsbau mit Qualitätseinbußen:

  • Hohlblocksteine, Bimsbetonwände

  • Dünne Wandstärken (24–30 cm)

  • Kaum Dämmung

  • Einfachverglasung bis in die 1960er Jahre

1969–1978

Größere Fenster, Flachdächer, Betonbauweise:

  • Große Glasflächen ohne Wärmeschutz

  • Wärmebrücken durch Betonbalkone

  • Flachdächer mit potentiellen Abdichtungsproblemen

  • Mögliche Asbestbelastung in Dach- und Fassadenplatten

Ab 1979

Mit der Wärmeschutzverordnung 1977 begann die schrittweise Verbesserung der Standards:

  • 1979–1983: 4–6 cm Dämmung

  • 1984–1994: 6–10 cm Dämmung

  • 1995–2001: 10–14 cm Dämmung

  • Ab 2002 (EnEV): 14–20 cm Dämmung

  • Ab 2016 (GEG): Über 20 cm Dämmung

Energieeffizienz nach Baualtersklasse

Der Zusammenhang zwischen Baujahr und Energieverbrauch:

BaualtersklasseTypischer Endenergiebedarf
bis 1918200–300 kWh/m²a
1949–1968180–250 kWh/m²a
1969–1978150–220 kWh/m²a
1979–1994120–180 kWh/m²a
1995–200880–140 kWh/m²a
ab 200950–100 kWh/m²a
ab 2016unter 75 kWh/m²a

Diese Werte sind Durchschnittswerte. Sanierungsmaßnahmen können die Werte erheblich verbessern.

Schadstoffbelastung

Bestimmte Schadstoffe traten zeitlich begrenzt auf:

Asbest: Vor allem 1960–1990 in Dachplatten, Fassadenverkleidungen, Fußbodenbelägen.

PAK (Teeröle): In Parkettkleber und Dichtungsbahnen der 1950er bis 1970er Jahre.

Holzschutzmittel (PCP, Lindan): 1960–1989 in Dachstühlen und Holzverkleidungen.

Bleirohre: Bis etwa 1970 für Wasserleitungen verwendet.

KMF (künstliche Mineralfasern): Alte Glaswolle vor 1996 gilt als potenziell gesundheitsgefährdend.

Bei Umbauten oder Sanierungen sollten Gebäude der betreffenden Baualtersklassen auf diese Stoffe untersucht werden.

Ermittlung des Baujahrs

Das Baujahr findet sich nicht im Grundbuch. Mögliche Quellen:

  • Bauakte beim Bauamt (zuverlässigste Quelle)

  • Energieausweis

  • Gebäudeversicherungsunterlagen

  • Kaufvertrag oder frühere Exposés

  • Stilkundliche Einordnung durch Sachverständige

Auswirkungen auf den Immobilienwert

Die Baualtersklasse beeinflusst den Verkehrswert erheblich. Im Sachwertverfahren nach ImmoWertV wird die Alterswertminderung berechnet unter Berücksichtigung von:

  • Gesamtnutzungsdauer (je nach Bauart 60–100 Jahre)

  • Tatsächlichem Alter

  • Modernisierungsstand

Ein saniertes älteres Gebäude kann eine geringere Alterswertminderung aufweisen als ein unsanierter neuerer Bau.

Hinweise für Immobilienerwerber

  • Baujahr durch Einsicht in die Bauakte verifizieren

  • Modernisierungen prüfen und dokumentieren

  • Typische Schwachstellen der jeweiligen Baualtersklasse kennen

  • Energieausweis anfordern

  • Sanierungsfahrplan erstellen

Fazit

Die Baualtersklasse ist ein praktisches Instrument zur schnellen Einordnung von Immobilien. Sie gibt Hinweise auf bauliche Merkmale, Energieeffizienz und potentiellen Sanierungsbedarf, ersetzt jedoch keine detaillierte Objektprüfung.

War dieser Artikel hilfreich?