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Aufheizphase beim Estrich - darauf kommt es an

Neubau, Fußbodenheizung drin, Estrich frisch gegossen. Und jetzt.

Aufheizphase beim Estrich - darauf kommt es an

Neubau, Fußbodenheizung drin, Estrich frisch gegossen. Und jetzt? Warten. Länger als gedacht, meistens. Aber wer diesen Schritt überspringt oder abkürzt, zahlt drauf - das verspreche ich Ihnen.

Estrich trocknen: Warum das Aufheizen nötig wird

Frischer Estrich ist nass. Richtig nass. Je nach Sorte und Rezeptur stecken da pro Kubikmeter als Richtwert etwa 150 bis 200 Liter Wasser drin. Die müssen irgendwo hin, bevor Sie Ihre Fliesen oder das Parkett drauflegen können.

Das Gemeine daran: Einfach aufdrehen geht nicht. Wärme lässt den Estrich ausdehnen, bei Kälte schrumpft er wieder zusammen. Macht man das zu schnell, reißt er. Und gerissener Estrich bedeutet: Alles raus, von vorne anfangen. Ich habe Baustellen gesehen, wo genau das passiert ist. Kein schöner Anblick.

Darum gibt es die Aufheizphase - ein kontrolliertes, langsames Hochfahren der Temperatur über mehrere Wochen.

Funktionsheizen, Belegreifheizen - was ist was?

Zwei Begriffe, die ständig durcheinandergeworfen werden. Kurz erklärt:

Beim Funktionsheizen (geregelt in DIN EN 1264-4, Abschnitt 4.2.4) geht es dem Heizungsbauer darum zu beweisen, dass sein System tut, was es soll. Die Anlage fährt auf Maximum, alles wird dokumentiert. Dauer: je nach Protokoll und Hersteller beispielsweise 3 Tage bei 25 °C plus 4 Tage maximale Vorlauftemperatur.

Das Belegreifheizen danach (DIN EN 1264-4, Abschnitt 4.2.5) hat ein anderes Ziel: Feuchtigkeit raustreiben. Der Estrich soll so trocken werden, dass der Bodenleger seine Arbeit machen kann.

Ruhezeiten vor dem Start - nicht verhandelbar

Bevor überhaupt geheizt wird, braucht der Estrich Zeit zum Abbinden. Wie lange, hängt von der Sorte ab. Wichtig: Die Hersteller- und Systemvorgaben gehen immer vor.

Estrich-TypMindest-Ruhezeit (Richtwerte)
Zement (klassisch)Funktionsheizen frühestens nach 21 Tagen (teils 28 Tage); stets Hersteller-/Systemvorgaben beachten
Calciumsulfat-FließestrichFrühestens nach ca. 7 Tagen; Herstellerangaben
SchnellzementGemäß Produktdatenblatt; u. U. frühere Freigabe möglich
TrockenestrichI. d. R. Begeh-/Belegreife nach ~24 h (herstellerspezifisch); Funktionsheizen entfällt teils oder ist verkürzt

Diese Zeiten stehen nicht zur Debatte. Auch wenn der Bauleiter drängelt, auch wenn der Einzugstermin näherrückt. Wer hier mogelt, erlebt sein blaues Wunder.

Der Ablauf in der Praxis

Ein Beispiel-Protokoll gemäß BVF-Schnittstellenkoordination (SSK) und DIN EN 1264-4:

Tag 1 bis 3: Vorlauftemperatur bei 25 Grad. Nichts Wildes, der Estrich gewöhnt sich an die Wärme.

Danach: Jeden Tag 5 bis 10 Grad mehr. Bis zur maximalen Vorlauftemperatur (häufig 45-55 Grad - das ist bei den meisten Systemen der Richtwert). Diese Temperatur dann vier Tage lang halten.

Abheizphase: In 10-Grad-Schritten wieder runter. Dauert nochmal ein paar Tage.

Alternative Rampen mit anderen Temperaturstufungen sind möglich - maßgeblich sind die SSK-Protokolle (P2/P2.1) bzw. die Herstellerangaben.

Das Ganze wird protokolliert. Datum, Uhrzeit, Temperatur - alles muss rein. Die DIN EN 1264-4 enthält in Anhang B ein Musterprotokoll. Ohne dieses Aufheizprotokoll haben Sie später bei Mängeln schlechte Karten.

Heizung noch nicht angeschlossen? Kein Problem.

Passiert häufiger als man denkt. Der Heizkessel kommt erst in zwei Monaten, aber der Estrich muss jetzt trocknen. Dafür gibt es mobile Estrichaufheizgeräte.

Die schließt man an die Heizschläuche an und simuliert quasi die Fußbodenheizung. Die Kosten variieren je nach Leistung und Zeitraum: Für kleinere Geräte (z. B. 36 kW) rechnet man mit etwa 1.000-1.200 Euro pro Monat, für größere Leistungen (80-150 kW) mit etwa 2.000-3.000 Euro pro Monat. Zusätzliche Kosten entstehen für Tank, Transport und Inbetriebnahme. Auch Tages- oder Wochenmieten sind möglich. Klingt nach viel, rechnet sich aber durch die gewonnene Zeit.

Ab welcher Feuchtigkeit ist Schluss?

Hier wird es technisch. Gemessen wird mit der CM-Methode (Calciumcarbid). Dabei wird eine Probe entnommen und in einem Druckbehälter mit Calciumcarbid versetzt. Das Wasser im Estrich reagiert damit, es entsteht Druck. An dem liest man die Feuchtigkeit ab.

Die Grenzwerte bei Heizestrichen (gemäß gemeinsamer Erklärung BEB/ZDB/TKB - anerkannte Regeln der Technik):

  • Zementestrich: maximal 1,8 CM-%

  • Calciumsulfatestrich: maximal 0,3 CM-%

Zum Vergleich - unbeheizte Estriche dürfen etwas mehr haben (2,0 bzw. 0,5 CM-%). Bei Heizung sind die Anforderungen strenger.

Wichtig: Belaghersteller (insbesondere bei Parkett) können strengere Grenzwerte vorgeben. Diese Herstellerangaben sind zusätzlich zu beachten.

Welche Normen gelten?

Drei Stück sind relevant:

  1. DIN EN 1264-4:2021-08 für Warmwasser-Fußbodenheizungen (Installation; enthält Anhang B mit Funktionsheizprotokoll sowie Abschnitt 4.2.5 zum Aufheizen zur Belegreife)

  2. DIN 18353:2023-09 für Estricharbeiten (VOB-konform)

  3. DIN 18560-2:2022-08 speziell für beheizte Estriche auf Dämmschichten

Das Aufheizprotokoll sollte in der Bauakte abgelegt werden. Es ist zwar keine gesetzliche Pflicht, aber gemäß anerkannter Regeln der Technik dringend anzuraten. Bei Versicherungsschäden, Gewährleistungsfällen oder Streitigkeiten zwischen Gewerken ist es Gold wert.

Die Klassiker unter den Fehlern

Ich sehe diese Probleme immer wieder:

Ungeduld. Jemand heizt schon nach 14 Tagen auf, obwohl 21 vorgeschrieben sind. Der Estrich ist noch nicht abgebunden, es kommen Risse.

Vollgas von Anfang an. Statt langsam zu steigern, wird sofort auf Maximaltemperatur geballert. Thermische Spannung, Risse, Schäden.

Kein Protokoll. Fünf Jahre später tropft Wasser durch die Decke. Wer ist schuld? Ohne Dokumentation wird das eine endlose Diskussion.

Bodenbelag vor der Messung. Der Parkettleger legt los, obwohl niemand die Restfeuchte geprüft hat. Das Holz quillt, die Fugen drücken.

Was kostet das Ganze, wie lange dauert es?

Rechnen Sie mit zwei bis sechs Wochen. Bei Zementestrich eher am oberen Ende, bei Schnellvarianten geht es flotter. Die genaue Dauer hängt auch von Raumklima, Lüftung, Schichtdicke und eingesetzter Energie ab.

Kosten? Im Normalfall ist das Funktionsheizen im Gewerk des Heizungsbauers enthalten. Das Belegreifheizen wird teils gesondert vereinbart - je nach Leistungsbeschreibung und VOB/C-Vereinbarung. Extra zahlen müssen Sie in der Regel für mobile Geräte - oder wenn etwas schiefläuft und Nacharbeiten nötig werden.

Das Wichtigste zum Schluss

Geduld. Das ist die Kurzfassung. Wer hier drängelt, spart vielleicht eine Woche - und ärgert sich dann jahrelang über Schäden, die vermeidbar gewesen wären. Lieber einmal richtig durchführen, sauber dokumentieren, Grenzwerte einhalten. Dann funktioniert die Fußbodenheizung über Jahrzehnte problemlos.

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