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Fußbodenheizung: Wohlige Wärme von unten - was Eigentümer wissen sollten

Keine kalten Füße mehr, keine hässlichen Heizkörper an der Wand, weniger Staub in der Luft - die Fußbodenheizung hat einiges zu bieten. Aber sie ist nicht für jedes Haus die richtige Wahl.

Fußbodenheizung: Wohlige Wärme von unten - was Eigentümer wissen sollten

Keine kalten Füße mehr, keine hässlichen Heizkörper an der Wand, weniger Staub in der Luft - die Fußbodenheizung hat einiges zu bieten. Aber sie ist nicht für jedes Haus die richtige Wahl. Und die Kosten? Die schwanken gewaltig.

Wie funktioniert eine Fußbodenheizung?

Das Prinzip ist simpel: Unter dem Bodenbelag verlaufen Rohre oder Kabel, durch die warmes Wasser fließt oder die elektrisch beheizt werden. Die Wärme steigt nach oben und erwärmt den Raum gleichmäßig.

Im Vergleich zu klassischen Heizkörpern gibt es einen entscheidenden Unterschied: Fußbodenheizungen arbeiten mit deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturen. Wo ein Heizkörper 55 bis 75 Grad braucht (alte Anlagen noch mehr), kommt eine moderne Fußbodenheizung mit 25 bis 40 Grad aus. Das spart Energie - besonders in Kombination mit einer Wärmepumpe.

Wichtig zu wissen: Die Oberflächentemperatur des Bodens ist nach DIN EN 1264 begrenzt - in Wohnräumen auf maximal 29 Grad Celsius, im Bad auf 33 Grad, in Randzonen auf 35 Grad. Das dient der Behaglichkeit und dem Gesundheitsschutz.

Wassergeführt oder elektrisch?

Zwei Systeme stehen zur Wahl:

Wassergeführte Fußbodenheizung: Heißes Wasser aus der Zentralheizung fließt durch ein Rohrsystem im Boden. Die verbreitetste und auf Dauer wirtschaftlichste Variante. Sinnvoll für ganze Häuser oder Wohnungen. Wichtig: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt seit 2020 eine raumweise Regelung der Temperatur vor (§ 63 GEG) - Thermostate an jedem Raumverteiler sind also Pflicht.

Elektrische Fußbodenheizung: Heizmatten oder -kabel im Boden werden mit Strom betrieben. Günstig in der Anschaffung, teuer im Betrieb. Eignet sich für einzelne Räume wie Badezimmer oder als Zusatzheizung. Als Hauptheizsystem wirtschaftlich selten sinnvoll.

Was kostet eine Fußbodenheizung?

Die Spanne ist groß - Anschaffung und Einbau (Richtwerte ohne Gewähr, Stand 2024/25):

SystemKosten pro m²
Nasssystem (Neubau)45 - 80 Euro
Trockensystem (Sanierung)70 - 120 Euro
Elektrische Heizmatten20 - 50 Euro

Für ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern beheizter Fläche landen Sie im Neubau also bei 6.000 bis 12.000 Euro. Im Altbau kann es deutlich teurer werden - Aufschläge von 30 bis 50 Prozent sind realistisch, wenn der alte Estrich raus muss.

Die Betriebskosten hängen stark vom Wärmeerzeuger, Gebäudedämmung und Ihrer Nutzung ab. Entscheidend bei Wärmepumpen ist die Jahresarbeitszahl (JAZ): Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Pumpe. Fraunhofer-Studien zeigen für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand durchschnittlich eine JAZ von etwa 3,4, bei Erdwärmepumpen sogar 4,3. Mit Fußbodenheizung und niedrigen Vorlauftemperaturen können diese Werte oft noch gesteigert werden.

Überschlagsrechnung für ein 150-Quadratmeter-Haus (Beispielwerte, abhängig von Dämmung und Energiepreisen):

  • Wärmepumpe: typisch 800 - 1.400 Euro pro Jahr

  • Gasheizung: typisch 1.100 - 1.700 Euro pro Jahr

  • Pelletheizung: typisch 900 - 1.400 Euro pro Jahr

  • Elektrische Direktheizung: 3.500 - 5.000 Euro pro Jahr

Die elektrische Variante ist als Hauptheizung wirtschaftlich fast nie sinnvoll.

Die Vorteile im Detail

Gleichmäßige Wärmeverteilung: Die komplette Bodenfläche strahlt Wärme ab. Keine kalten Ecken, keine Temperaturunterschiede zwischen Fenster- und Wandseite.

Gesünderes Raumklima: Weniger Luftverwirbelung bedeutet weniger Staub in der Atemluft. Für Allergiker ein echtes Argument. Die Strahlungswärme wird von vielen als angenehmer empfunden als Konvektionswärme.

Freie Wände: Keine Heizkörper, die im Weg stehen. Die gesamte Wandfläche bleibt nutzbar für Möbel oder Dekoration.

Niedrige Vorlauftemperatur: Die Fußbodenheizung arbeitet effizienter als Heizkörper. Durch die gleichmäßige Strahlungswärme kann die Raumtemperatur oft um 1 bis 2 Grad gesenkt werden, ohne dass es sich kälter anfühlt - das kann Heizkosten sparen.

Wertsteigerung: Eine Fußbodenheizung gilt als modernes, werterhöhendes Merkmal. Beim Verkauf kann das ein Pluspunkt sein - allerdings variiert der konkrete Marktvorteil je nach Region und Objekt.

Die Nachteile, die Sie kennen sollten

Hohe Anfangsinvestition: Fußbodenheizungen kosten mehr als konventionelle Heizkörper. Im Altbau potenziert sich das durch die aufwendigere Installation.

Trägheit: Eine Fußbodenheizung reagiert langsam. Der massive Estrich speichert Wärme, braucht aber auch Zeit zum Aufheizen. Schnelles Hochdrehen, wenn's kalt wird? Funktioniert nicht.

Aufwendige Reparaturen: Wenn ein Rohr undicht wird, müssen Sie den Bodenbelag öffnen. Das ist teuer und macht Dreck. Daher ist eine fachgerechte Installation mit Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1264 (mindestens 6 bar während des Estricheinbaus) entscheidend.

Nicht jeder Bodenbelag passt: Teppich, dicker Echtholzparkett, Vinyl mit hohem Wärmedurchlasswiderstand - manche Beläge bremsen die Wärmeabgabe. Nach DIN EN 1264 sollte der Wärmedurchlasswiderstand des Bodenbelags maximal 0,15 m²K/W betragen. Fliesen, Naturstein und spezielles Fertigparkett funktionieren am besten.

Kein Handtuchtrockner: Im Bad vermissen manche den warmen Heizkörper, an dem Handtücher trocknen. Die Lösung: Ein zusätzlicher elektrischer Handtuchwärmer oder ein kleiner Heizkörper ergänzend zur Fußbodenheizung.

Nachrüsten im Altbau: Geht das?

Ja, aber mit Einschränkungen. Das Hauptproblem ist die Aufbauhöhe. Klassische Nasssysteme brauchen etwa 55 bis 90 Millimeter - Dämmung, Rohre, Estrich. In Altbauten mit niedrigen Decken oder Türschwellen wird das kritisch.

Die Alternative sind Trockensysteme oder Dünnschichtsysteme mit geringerer Aufbauhöhe - manche kommen mit 16 bis 30 Millimetern aus. Sie kosten mehr, ermöglichen aber den Einbau auch dort, wo sonst nichts geht.

Vor dem Nachrüsten prüfen:

  • Reicht die Deckenhöhe?

  • Wie steht es um die Dämmung? (Fußbodenheizung in ungedämmten Altbauten verpufft nach unten)

  • Passt die vorhandene Heizungsanlage zu niedrigen Vorlauftemperaturen?

  • Ist ein hydraulischer Abgleich eingeplant? Seit Oktober 2024 schreibt das GEG bei größeren Gebäuden (ab sechs Wohnungen) einen hydraulischen Abgleich nach Einbau neuer Heizanlagen vor (§ 60c GEG).

  • Sind Einzelraumregler vorgesehen? (Pflicht nach § 63 GEG)

Beachten Sie auch die baurechtlichen Anforderungen: DIN EN 1264 regelt die Systemauslegung, DIN 18560 legt Mindestnenndicken für Heizestriche fest, DIN 4109 kann beim Schallschutz relevant werden.

Förderung 2025/2026

Der Staat unterstützt den Einbau - allerdings meist nur als Teil einer größeren Maßnahme:

KfW-Heizungsförderung (BEG): Bis zu 70 Prozent Zuschuss beim Heizungstausch (Grundförderung 30 %, plus Geschwindigkeitsbonus, Einkommensbonus, Effizienzbonus - je nach Konstellation). Die Fußbodenheizung kann als Umfeldmaßnahme mitgefördert werden, wenn sie im Rahmen eines Heizungstauschs (z.B. auf Wärmepumpe) installiert wird. Wichtig: Die Details, welche Umfeldmaßnahmen konkret förderfähig sind (z.B. Wiederherstellung von Bodenbelägen), können eingeschränkt sein. Prüfen Sie unbedingt die aktuellen KfW-Merkblätter vor Antragstellung.

BAFA-Einzelmaßnahmen: Für Heizungsoptimierung (z.B. hydraulischer Abgleich) und andere Effizienzmaßnahmen gibt es beim BAFA bis zu 20 Prozent Förderung (15 % Grundförderung plus 5 % mit individuellem Sanierungsfahrplan iSFP).

Steuerbonus nach § 35c EStG: Selbstnutzer können 20 Prozent der Kosten über drei Jahre von der Steuer absetzen (7 % im ersten Jahr, 7 % im zweiten, 6 % im dritten - maximal 40.000 Euro pro Objekt). Gilt für energetische Sanierungen an Gebäuden, die älter als zehn Jahre sind. Die Frist läuft derzeit bis Ende 2029.

Fußbodenheizung und Wärmepumpe: Das Traumpaar

Die Kombination macht Sinn. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten, wenn sie nur niedrige Temperaturen erzeugen müssen. Genau das liefert die Fußbodenheizung.

Eine Luftwärmepumpe, die einen 55-Grad-Heizkörper versorgen muss, erreicht deutlich niedrigere Jahresarbeitszahlen als dieselbe Pumpe mit Fußbodenheizung bei 35 Grad Vorlauf. Die Effizienzsteigerung kann erheblich sein - in der Praxis bedeutet das spürbar niedrigere Stromkosten. Monitoring-Daten des Fraunhofer ISE zeigen, dass Wärmepumpen auch im Altbau mit Fußbodenheizung sehr effizient arbeiten können.

Wer neu baut oder umfassend saniert, sollte diese Kombination ernsthaft prüfen.

Rechtliches: WEG und Mietrecht

Wohnungseigentum: Der Einbau einer Fußbodenheizung ist eine bauliche Veränderung am Gemeinschaftseigentum. Seit der WEG-Reform (Dezember 2020) reicht dafür grundsätzlich die einfache Mehrheit der Eigentümerversammlung (§ 20 WEG). Aber: Kostenfragen und Zustimmungen können komplex sein. Holen Sie vor Beginn einen Beschluss ein.

Mietwohnungen: In vermieteten Objekten ist der Einbau eine Modernisierungsmaßnahme nach §§ 555b-555d BGB. Mieter müssen die Maßnahme grundsätzlich dulden, wenn sie energetisch oder komfortfördernd ist. Der Vermieter kann bis zu 8 Prozent der Modernisierungskosten jährlich auf die Miete umlegen (§ 559 BGB), allerdings gelten Kappungsgrenzen. Formelle Anforderungen (Ankündigung etc.) sind zu beachten.

Heizkostenverordnung: In Mehrfamilienhäusern gilt: Bei Neuinstallation sind fernablesbare Messgeräte Pflicht (seit Dezember 2021). Bestandsgeräte müssen bis Ende 2026 nachgerüstet oder ersetzt werden.

Fazit

Die Fußbodenheizung ist kein Allheilmittel, aber in vielen Situationen die bessere Wahl. Im Neubau ist sie fast schon Standard - die höheren Investitionskosten holt man durch niedrigere Betriebskosten und den Komfortgewinn oft wieder rein. Im Altbau muss man genauer rechnen: Lohnt sich der Aufwand? Passt die Technik zur vorhandenen Substanz? Stimmen die rechtlichen Rahmenbedingungen (WEG-Beschluss, Mieterrechte, Fördervoraussetzungen)?

Wer diese Fragen klärt und die technischen Normen beachtet (DIN EN 1264, DIN 18560), trifft eine fundierte Entscheidung. Bei korrekter Planung und Installation ist die Fußbodenheizung eine zukunftssichere Investition - besonders in Kombination mit modernen Wärmepumpen.

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