Solingen
Solingen
Düsseldorf
Düsseldorf
Niederlande
Niederlande

Solingen

Düsseldorf

People shaking hands
Verkauf
People under a blanket
Vermietung

Vermietung

0212 264 11 44   Öffnet morgen um 9:00  

Energiebedarf vs. Energieverbrauch: Der entscheidende Unterschied bei Immobilien

Energiebedarf und Energieverbrauch sind grundlegend verschiedene Kenngrößen zur energetischen Bewertung von Gebäuden. Der Energiebedarf basiert auf rechnerischen Verfahren, der Energieverbrauch auf tatsächlichen Verbrauchsdaten.

Energiebedarf vs. Energieverbrauch

Energiebedarf und Energieverbrauch sind zwei unterschiedliche Kenngrößen zur energetischen Charakterisierung von Gebäuden. Die Abgrenzung ist für die korrekte Interpretation von Energieausweisen und die Bewertung von Immobilien von erheblicher Bedeutung.

Energiebedarf: Rechnerische Ermittlung

Der Energiebedarf stellt einen berechneten theoretischen Wert dar, der auf einer normbasierten Analyse der Gebäudesubstanz und Anlagentechnik beruht. Qualifizierte Fachpersonen ermitteln den Wert durch eine systematische Bewertung folgender Parameter:

  • Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) der Gebäudehülle

  • Geometrie und Ausrichtung des Gebäudes

  • Qualität von Fenstern und Außentüren

  • Effizienz der Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen

  • Lüftungskonzept und Luftdichtheit

Die Berechnung erfolgt unter normierten Randbedingungen gemäß DIN V 18599:

  • Normierte Innentemperatur von 19-20°C

  • Standardisierte Nutzungsprofile

  • Durchschnittliche klimatische Verhältnisse am Gebäudestandort

Der zentrale Vorteil dieser Methodik besteht in der Unabhängigkeit vom tatsächlichen Nutzerverhalten. Der Energiebedarf charakterisiert die bauphysikalischen und anlagentechnischen Gebäudeeigenschaften objektiv.

Energieverbrauch: Empirische Ermittlung

Der Energieverbrauch basiert auf tatsächlichen Verbrauchsdaten der vergangenen drei Jahre. Die Daten werden von Energieversorgern bereitgestellt und umfassen sämtliche für Heizung und Warmwasserbereitung bezogene Energieträger (Gas, Öl, Fernwärme, Strom).

Die Verbrauchsdaten werden flächenbezogen normiert und witterungsbereinigt. Die Witterungsbereinigung kompensiert abweichende Außentemperaturen und gewährleistet die Vergleichbarkeit verschiedener Erfassungsperioden.

Der Vorteil liegt in der Abbildung realer Verhältnisse. Der Nachteil besteht in der Abhängigkeit vom individuellen Nutzerverhalten, das die Aussagekraft für die Gebäudequalität reduzieren kann.

Systematische Abweichungen zwischen den Kenngrößen

Empirische Studien belegen systematische Abweichungen zwischen Energiebedarf und Energieverbrauch von bis zu 25 Prozent. Die Abweichungen resultieren aus folgenden Faktoren:

Nutzerverhalten: Die Sollraumtemperatur variiert individuell. Eine Temperaturabsenkung um 1 Kelvin reduziert den Energieverbrauch um ca. 6 Prozent. Lüftungsverhalten und Nutzungsintensität beeinflussen den realen Verbrauch erheblich.

Rebound-Effekt: Nach energetischen Sanierungen tendieren Nutzer zur Erhöhung der Raumtemperatur, da die Heizkosten gesunken sind. Dies kompensiert einen Teil der rechnerischen Einsparungen.

Bauausführungsqualität: Abweichungen zwischen Planung und Ausführung (reduzierte Dämmstärken, unzureichend ausgeführte Wärmebrücken, suboptimale Anlageneinstellung) führen zu erhöhtem Verbrauch gegenüber dem berechneten Bedarf.

Unsanierte Altbauten: Der berechnete Bedarf liegt häufig über dem realen Verbrauch, da Nutzer durch Temperaturabsenkung oder Teilverzicht auf Beheizung von Räumen reagieren.

Bewertungskriterien für unterschiedliche Anwendungsfälle

Bewertung der Gebäudequalität: Der Energiebedarf ist die geeignete Kenngröße, da er die bauphysikalischen und anlagentechnischen Eigenschaften unabhängig vom Nutzerverhalten charakterisiert.

Prognose der Energiekosten: Der Energieverbrauch bietet einen realistischeren Anhaltspunkt, sofern das eigene Nutzungsverhalten dem der Vorbewohner entspricht.

Bei der Immobilienbewertung sollten beide Kenngrößen berücksichtigt werden. Erhebliche Abweichungen zwischen Bedarf und Verbrauch erfordern eine Ursachenanalyse.

Auswirkungen auf Energieausweise

Je nach Ausweistyp wird entweder der Energiebedarf oder der Energieverbrauch ausgewiesen:

AusweistypKenngrößeErmittlungsmethode
BedarfsausweisEnergiebedarfBerechnung nach DIN V 18599
VerbrauchsausweisEnergieverbrauchAbrechnungsdaten der letzten drei Jahre

Beim Vergleich von Immobilien mit unterschiedlichen Ausweistypen ist die direkte Vergleichbarkeit eingeschränkt.

Differenzierung zwischen End- und Primärenergie

Endenergie: Bezeichnet die dem Gebäude zugeführte Energie (Gas, Öl, Fernwärme, Strom). Diese Größe ist für die Energiekostenprognose maßgeblich.

Primärenergie: Berücksichtigt zusätzlich Umwandlungs-, Transport- und Verteilungsverluste der Energieträger. Die Primärenergie ist für die rechtliche Beurteilung nach GEG und für Förderprogramme relevant.

Gebäude mit Wärmepumpen weisen häufig einen höheren Endenergiebedarf, aber einen geringeren Primärenergiebedarf auf, da der Primärenergiefaktor für Strom (insbesondere bei hohem Anteil erneuerbarer Energien) günstiger ist als für fossile Brennstoffe.

Praktische Bedeutung für Immobilientransaktionen

Ausweistyp beachten: Verbrauchsausweise können bei unterdurchschnittlichem Heizverhalten der Vorbewohner irreführend niedrige Werte aufweisen. Für Wohngebäude mit bis zu vier Wohneinheiten und Bauantragstellung vor dem 1. November 1977 ist der Bedarfsausweis verpflichtend.

Abweichungsanalyse: Erhebliche Diskrepanzen zwischen Bedarf und Verbrauch erfordern eine Klärung der Ursachen (Berechnungsfehler, außergewöhnliches Nutzerverhalten, Bauausführungsmängel).

Relevante Kenngröße: Für die Energiekostenprognose ist die Endenergie maßgeblich. Die Primärenergie ist für Förderfähigkeit und gesetzliche Anforderungen relevant.

Systematische Einordnung

Energiebedarf und Energieverbrauch charakterisieren unterschiedliche Aspekte der energetischen Gebäudebewertung. Der Energiebedarf beschreibt die bauphysikalische und anlagentechnische Qualität unter Normalbedingungen. Der Energieverbrauch bildet die tatsächliche Nutzung ab. Beide Kenngrößen ergänzen sich und sind für eine umfassende energetische Bewertung erforderlich.

War dieser Artikel hilfreich?