Katastermappe
Die Katastermappe ist eine historische Kartensammlung des Liegenschaftskatasters
Was ist eine Katastermappe?
Der Begriff Katastermappe stammt aus einer Zeit, als Grundstücksdaten noch auf Papier verwaltet wurden. In großen Mappen wurden die Flurkarten eines Gebiets aufbewahrt - sorgfältig gezeichnet und bei Änderungen von Hand aktualisiert.
Heute findet man den Begriff vor allem in Österreich, wo er nach wie vor gebräuchlich ist. In Deutschland spricht man eher von der Liegenschaftskarte oder Flurkarte. Das Prinzip ist aber dasselbe: eine kartographische Darstellung aller Flurstücke eines Gebiets.
Der historische Hintergrund
Das Katasterwesen in deutschen Ländern entstand im 19. Jahrhundert. Die Staaten wollten wissen, welche Grundstücke es gab und wem sie gehörten - vor allem für die Besteuerung.
Vermesser zogen durchs Land und kartierten jedes Flurstück. Die Ergebnisse wurden in Karten eingetragen, die in Mappen zusammengefasst und beim Katasteramt aufbewahrt wurden.
Diese alten Katastermappen sind teilweise heute noch erhalten und haben als historische Quellen großen Wert. Sie zeigen, wie die Landschaft vor 150 oder 200 Jahren aussah - welche Flurstücke es gab, wie sie genutzt wurden, wo Wege und Gewässer verliefen.
Von der Mappe zur Datenbank
Mit der Digitalisierung wurden die Papierunterlagen nach und nach durch elektronische Systeme ersetzt. Heute arbeiten alle Katasterämter in Deutschland mit Geoinformationssystemen, die die Flurstücksdaten digital verwalten.
Die alten Karten wurden eingescannt und georeferenziert. Das bedeutet: Die Bilddaten wurden mit Koordinaten verknüpft, sodass sie in digitalen Karten dargestellt werden können.
Für den normalen Nutzer macht das keinen großen Unterschied. Wer einen Katasterauszug oder eine Flurkarte braucht, bekommt sie vom Katasteramt - ob die Daten nun aus einer historischen Mappe oder einer modernen Datenbank stammen.
Die Flurkarte heute
Was früher die Katastermappe war, ist heute die digitale Liegenschaftskarte oder Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK). Sie zeigt alle Flurstücke mit ihren Grenzen, Gebäuden und weiteren Elementen.
Die Darstellung erfolgt in verschiedenen Maßstäben. Für einen Überblick reicht eine kleinmaßstäbige Karte, für Details bei Bauvorhaben oder Grenzvermessungen braucht man größere Maßstäbe.
Über die Geoportale der Bundesländer können Interessierte die Liegenschaftskarte online ansehen. Die Darstellung ist meist kostenlos, für einen amtlichen Auszug fallen Gebühren an.
Inhalt der Katastermappe
Eine Katastermappe oder Liegenschaftskarte zeigt verschiedene Elemente:
Die Flurstücksgrenzen sind das wichtigste Element. Sie zeigen, wo ein Flurstück aufhört und das nächste beginnt. Jedes Flurstück trägt seine Nummer.
Gebäude werden als Grundrisse dargestellt. Man sieht, wo auf dem Grundstück ein Haus steht und wie groß es ungefähr ist.
Nutzungsarten werden durch verschiedene Signaturen oder Farben dargestellt. So lässt sich erkennen, was Ackerland, was Wald und was Bauland ist.
Auch Wege, Straßen und Gewässer sind eingetragen. Sie helfen bei der Orientierung und zeigen die Erschließung der Grundstücke.
Unterschied zum Grundbuch
Die Katastermappe und das Grundbuch ergänzen sich. Die Mappe zeigt die räumlichen Verhältnisse - wo liegt was. Das Grundbuch zeigt die rechtlichen Verhältnisse - wem gehört was.
Im Grundbuch wird auf das Kataster verwiesen. Das Bestandsverzeichnis enthält die Flurstücksbezeichnung aus dem Kataster. Dadurch ist klar, welches Stück Land gemeint ist.
Änderungen im Kataster - etwa durch Teilung oder Neuvermessung - werden ans Grundbuch weitergegeben. So bleiben beide Register synchron.
Zugang zu den Unterlagen
Wer die Katastermappe oder Liegenschaftskarte einsehen will, wendet sich ans örtliche Katasteramt. Die Einsichtnahme ist in der Regel kostenlos, für Kopien oder Auszüge fallen Gebühren an.
In vielen Bundesländern gibt es auch Online-Portale, über die man die Karten ansehen kann. Die Darstellung ist meist einfacher als beim Amt, reicht aber für einen ersten Überblick.
Für offizielle Zwecke - Kaufverträge, Bauanträge - braucht man einen amtlichen Auszug. Die Online-Ansicht ersetzt ihn nicht.
Historische Katastermappen als Quelle
Für historisch Interessierte und Heimatforscher sind die alten Katastermappen eine wertvolle Quelle. Sie zeigen, wie sich Orte und Landschaften über die Jahrzehnte verändert haben.
Viele Archive haben ihre historischen Katasterbestände digitalisiert und im Internet zugänglich gemacht. Dort kann man in alten Karten stöbern und die Vergangenheit erkunden.
Auch für Eigentümer können die historischen Unterlagen interessant sein - etwa um zu sehen, wie das Grundstück vor 100 Jahren aussah oder welche Gebäude dort früher standen.
Genauigkeit und Verlässlichkeit
Die Genauigkeit der Katasterunterlagen hängt von ihrem Alter ab. Moderne Vermessungen arbeiten mit GPS und erreichen Zentimetergenauigkeit. Ältere Karten können deutlich ungenauer sein.
Wenn bei einem Grundstück die Grenzen aus alten Vermessungen stammen, kann es zu Abweichungen zwischen Katasterangaben und Wirklichkeit kommen. Eine Neuvermessung schafft dann Klarheit.
Der amtliche Charakter der Katasterunterlagen bedeutet: Sie gelten als richtig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Aber Fehler kommen vor, und im Streitfall muss manchmal neu vermessen werden.
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