Grundriss
Der Grundriss zeigt den horizontalen Schnitt durch ein Gebäude – er ist unverzichtbar für Planung, Genehmigung und Verkauf.
Grundriss: Der Blick von oben auf den Bauplan
Wo liegt das Bad? Wie groß ist das Wohnzimmer? Wie sind die Räume verbunden? Der Grundriss beantwortet diese Fragen auf einen Blick. Er ist das wichtigste Planungsinstrument für jedes Gebäude und unverzichtbar für die Baugenehmigung.
Was ist ein Grundriss?
Der Grundriss ist eine maßstabsgetreue Zeichnung, die ein Gebäude im horizontalen Schnitt zeigt – sozusagen von oben betrachtet. Die gedachte Schnittebene liegt etwa einen Meter über dem Fußboden, sodass Fenster und Türen sichtbar werden.
Im Grundriss sind zu erkennen:
Die Lage und Größe der Räume
Wände und Wandöffnungen
Türen und Fenster
Treppen und Aufzüge
Einbauten wie Küche und Bad
Der Grundriss wird für jedes Geschoss separat gezeichnet. Ein zweigeschossiges Haus hat also mindestens zwei Grundrisse, dazu eventuell Keller und Dachgeschoss.
Bedeutung im Bauantragsverfahren
Grundrisse gehören zu den zwingend erforderlichen Bauvorlagen. Ohne sie gibt es keine Baugenehmigung. Die Bauvorlagenverordnungen der Länder schreiben vor, was die Grundrisse enthalten müssen:
Maßstab: Üblicherweise 1:100, bei großen Gebäuden 1:200
Raumbezeichnungen: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad usw.
Maße: Raumlängen, Raumbreiten, Wandstärken
Flächen: Angabe der Grundflächen in Quadratmetern
Öffnungen: Türen und Fenster mit Breite und Öffnungsrichtung
Treppen: Mit Stufenzahl und Laufrichtung
Einbauten: Sanitärobjekte, Küche, feste Einbauten
Nordpfeil: Zur Orientierung der Himmelsrichtungen
Arten von Grundrissen
Je nach Verwendungszweck gibt es verschiedene Arten von Grundrissen:
Entwurfsgrundris
In der frühen Planungsphase entstehen Skizzen und Entwurfsgrundrisse. Sie zeigen die grundlegende Raumaufteilung, sind aber noch nicht vollständig bemaßt.
Genehmigungsgrundris
Der Genehmigungsgrundris ist Teil der Bauvorlagen. Er enthält alle Angaben, die für die Prüfung durch die Bauaufsicht erforderlich sind.
Ausführungsgrundris
Für die Baustelle werden detailliertere Ausführungszeichnungen erstellt. Sie enthalten zusätzliche Informationen für die Handwerker.
Möblierter Grundriss
Für Verkauf und Vermietung werden oft möblierte Grundrisse erstellt. Sie zeigen, wie Möbel in den Räumen platziert werden können und helfen bei der Vorstellung des Wohnens.
Grundriss lesen
Ein Grundriss verwendet standardisierte Symbole:
Wände: Durchgezogene Linien, bei Mauerwerk oft mit Schraffur
Fenster: Unterbrechung der Wandlinie mit drei parallelen Strichen
Türen: Unterbrechung mit Viertelkreis (Öffnungsrichtung)
Treppen: Rechteck mit Stufen und Pfeil nach oben
Sanitärobjekte: Symbolhafte Darstellung von WC, Waschbecken, Badewanne
Die Zeichnungen folgen der DIN 1356 (Bauzeichnungen), die einheitliche Darstellungsregeln vorgibt.
Bedeutung für die Raumnutzung
Ein guter Grundriss ist mehr als die Summe seiner Räume. Er bestimmt die Wohnqualität:
Erschließung
Wie gelangt man von der Haustür in die verschiedenen Räume? Ein effizienter Grundriss minimiert Flure und Durchgangsbereiche.
Zonierung
Private Räume (Schlafzimmer) sollten von öffentlichen Bereichen (Wohnzimmer) getrennt sein. Nasse Räume (Bad, WC) sollten sinnvoll gruppiert werden.
Belichtung
Die Lage der Räume zur Himmelsrichtung beeinflusst das Licht. Wohnräume nach Süden, Schlafzimmer nach Osten, Wirtschaftsräume nach Norden ist eine klassische Anordnung.
Flexibilität
Können Räume später anders genutzt werden? Ein flexibler Grundriss ermöglicht Veränderungen ohne große Umbauten.
Grundriss und Vorschriften
Der Grundriss muss verschiedene Vorschriften erfüllen:
Mindestflächen
Die Bauordnungen schreiben Mindestflächen für bestimmte Räume vor, etwa für Aufenthaltsräume oder Kinderzimmer.
Belichtung und Belüftung
Aufenthaltsräume müssen eine Mindestfensterfläche haben, typischerweise ein Achtel der Grundfläche.
Rettungswege
In jedem Aufenthaltsraum muss ein Fenster als zweiter Rettungsweg dienen können, wenn keine zwei Treppenräume vorhanden sind.
Barrierefreiheit
Bei größeren Wohngebäuden müssen Wohnungen bestimmter Geschosse barrierefrei gestaltet sein.
Grundriss bei Immobilienverkauf
Im Exposé ist der Grundriss unverzichtbar. Er zeigt Interessenten auf einen Blick:
Die Raumaufteilung
Die Größenverhältnisse
Die Lage von Bad und Küche
Besonderheiten wie Balkone oder Erker
Professionelle Grundrisszeichnungen mit Möblierung und ansprechender Gestaltung können den Verkauf erleichtern. Manche Makler lassen 3D-Grundrisse erstellen, die eine räumliche Vorstellung ermöglichen.
Änderungen am Grundriss
Nachträgliche Änderungen am Grundriss können genehmigungspflichtig sein:
Genehmigungspflichtig:
Entfernen tragender Wände
Änderung der Nutzung (Wohnraum zu Gewerbe)
Zusammenlegung oder Teilung von Wohnungen
Eingriffe in Rettungswege
Meist genehmigungsfrei:
Entfernen nicht tragender Wände
Änderung der Raumnutzung innerhalb einer Nutzungseinheit
Kosmetische Änderungen
Im Zweifel sollte das Bauamt gefragt werden.
Bestandsgrundriss
Nicht immer existieren Grundrisse eines Gebäudes. Gerade bei älteren Gebäuden sind die Bauunterlagen oft nicht mehr vorhanden. Dann muss ein Bestandsgrundriss erstellt werden – durch Aufmaß vor Ort.
Das Aufmaß kann durch den Eigentümer, einen Architekten oder einen Vermesser erfolgen. Bei Verkauf oder Umbau ist ein genauer Bestandsgrundriss unverzichtbar.
Digitale Grundrisse
Moderne Grundrisse werden digital erstellt, meist mit CAD-Software (Computer-Aided Design). Das ermöglicht:
Präzise Maßführung
Einfache Änderungen
3D-Visualisierungen
Automatische Flächenberechnung
Für den privaten Gebrauch gibt es auch einfachere Apps und Online-Tools, mit denen Grundrisse gezeichnet werden können.
Fazit
Der Grundriss ist das Herzstück jeder Bauplanung. Er zeigt, wie ein Gebäude funktioniert und wie es sich bewohnen lässt. Für die Baugenehmigung ist er unverzichtbar, für den Immobilienverkauf ein wichtiges Marketingmittel. Wer baut oder kauft, sollte dem Grundriss besondere Aufmerksamkeit widmen – denn er bestimmt die Qualität des Wohnens auf Jahre hinaus.
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