Bauspardarlehen: Der zweite Teil des Bausparvertrags
Nach der Ansparphase kommt das Bauspardarlehen. Erfahren Sie, wie es funktioniert und wann es sich lohnt.
Bauspardarlehen: Der zweite Teil des Bausparvertrags
Das Bauspardarlehen ist das, wofür die ganze Sparerei gedacht war. Nach Jahren des Ansparens bekommen Sie jetzt einen zinsgünstigen Kredit. Aber hält das Bauspardarlehen, was es verspricht?
So funktioniert das Bauspardarlehen
Ein Bausparvertrag besteht aus zwei Phasen. Erst sparen Sie eine bestimmte Summe an - meist 40 bis 50% der Bausparsumme. Dann ist der Vertrag zuteilungsreif, und Sie können das Bauspardarlehen abrufen.
Das Darlehen entspricht der Differenz zwischen Bausparsumme und angespartem Guthaben. Bei 50.000 Euro Bausparsumme und 20.000 Euro Guthaben bekommen Sie also 30.000 Euro Kredit.
Der große Vorteil: Der Zinssatz steht von Anfang an fest - schon beim Abschluss des Bausparvertrags. Egal wie sich die Marktzinsen entwickeln, Ihr Darlehenszins bleibt gleich.
Konditionen im Überblick
Die typischen Rahmenbedingungen:
Zinssatz: Zwischen 1% und 3%, je nach Tarif und Abschlusszeitpunkt.
Tilgung: Deutlich höher als bei klassischen Bankdarlehen, oft 6 bis 10 Promille der Bausparsumme pro Monat.
Laufzeit: Durch die hohe Tilgung meist nur 7 bis 12 Jahre.
Sondertilgungen: Jederzeit und kostenlos möglich.
Vor- und Nachteile
Was für das Bauspardarlehen spricht
Zinssicherheit ab dem ersten Tag. Sie wissen schon beim Vertragsabschluss, was das Darlehen kosten wird - auch wenn Sie es erst in 10 Jahren nutzen.
Keine Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Rückzahlung. Sie können jederzeit mehr tilgen oder den Kredit komplett ablösen.
Keine Grundschuld erforderlich bei kleineren Summen. Bis etwa 30.000 Euro verzichten viele Bausparkassen auf eine grundbuchliche Sicherheit.
Wo es hakt
Die hohe monatliche Belastung durch die schnelle Tilgung. Das kann fürs Budget eng werden.
Begrenzte Summen. Ein Bauspardarlehen taugt nicht zur Vollfinanzierung einer Immobilie. Es ist eher ein Baustein.
Der lange Vorlauf. Bis zur Zuteilung vergehen oft 7 bis 10 Jahre. So lange müssen Sie planen können.
Die Abschlussgebühr. Die 1 bis 1,6% Abschlussgebühr auf die Bausparsumme schmälern die Rendite in der Ansparphase erheblich.
Wann lohnt sich das Bauspardarlehen?
Das Bauspardarlehen macht Sinn in bestimmten Situationen:
Als Anschlussfinanzierung: Sie wissen, dass in einigen Jahren eine Restschuld fällig wird? Ein Bausparvertrag sichert den Zins für die Anschlussfinanzierung.
Als Modernisierungskredit: Kleinere Summen für Renovierung oder Sanierung lassen sich gut über Bauspardarlehen finanzieren - ohne Grundschuldkosten.
Bei steigenden Zinsen: Wenn Sie erwarten, dass die Zinsen in den nächsten Jahren deutlich steigen, kann die Zinsfestschreibung wertvoll sein.
Was Sie beachten sollten
Die Gesamtkosten rechnen. Ein niedriger Darlehenszins allein sagt wenig aus. Rechnen Sie Abschlussgebühr, Kontoführung und die magere Verzinsung des Guthabens mit ein.
Den richtigen Zeitpunkt wählen. Das Bauspardarlehen muss wohnwirtschaftlich verwendet werden. Schließen Sie den Vertrag nicht zu früh ab, sonst zahlen Sie Bereitstellungsgebühren.
Die Zuteilungsvoraussetzungen prüfen. Nicht nur die Mindestsparsumme muss erreicht sein, auch die Bewertungszahl spielt eine Rolle. Fragen Sie bei der Bausparkasse nach, wann realistisch mit Zuteilung zu rechnen ist.
Bauspardarlehen vs. Bankkredit
Der direkte Vergleich ist schwierig, weil die Laufzeiten so unterschiedlich sind. Ein Bauspardarlehen mit 2% über 10 Jahre lässt sich nicht einfach mit einem Bankkredit über 15 Jahre vergleichen.
Aber: Oft ist ein gutes Bankdarlehen günstiger als ein Bausparvertrag, wenn man alle Kosten einrechnet. Die Zinssicherheit des Bauspardarlehens hat ihren Preis.
Die Faustformel: Bausparen lohnt sich vor allem, wenn Sie mit deutlich steigenden Zinsen rechnen. Bleiben die Zinsen stabil oder fallen, ist das Bankdarlehen oft die bessere Wahl.
Das Bauspardarlehen in der Praxis
Ein typisches Szenario: Familie Schmidt kauft ein Haus für 380.000 Euro. Die Finanzierung setzt sich zusammen aus:
Eigenkapital: 60.000 Euro
Bankdarlehen: 270.000 Euro (10 Jahre Zinsbindung)
Bausparvertrag: 50.000 Euro (zur Ablösung der Restschuld)
Der Bausparvertrag wird parallel zum Bankdarlehen bespart. Nach 10 Jahren, wenn die Zinsbindung ausläuft, ist er zuteilungsreif. Die Restschuld aus dem Bankdarlehen wird dann teilweise mit dem Bauspardarlehen abgelöst - zu einem Zins, der schon vor 10 Jahren feststand.
Fazit
Das Bauspardarlehen ist kein Allheilmittel, aber ein nützliches Werkzeug im Finanzierungsbaukasten. Besonders zur Absicherung gegen steigende Zinsen bei der Anschlussfinanzierung kann es wertvoll sein.
Rechnen Sie aber genau nach. Die Zinsvorteile müssen die Kosten der Ansparphase überwiegen. Und bedenken Sie: Das Geld ist lange gebunden. Flexibilität sieht anders aus.
✓ Vielen Dank für Ihr Feedback!