Arbeitgeberdarlehen: Günstiger Kredit vom Chef
Das Arbeitgeberdarlehen kann eine günstige Alternative zur Bankfinanzierung sein. Erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile es gibt.
Arbeitgeberdarlehen: Günstiger Kredit vom Chef
Manche Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern zinsgünstige Darlehen an - auch für den Immobilienkauf. Das klingt verlockend. Aber lohnt sich das wirklich?
Was ist ein Arbeitgeberdarlehen?
Ein Arbeitgeberdarlehen ist ein Kredit, den Ihr Arbeitgeber Ihnen gewährt. Oft zu Konditionen, die deutlich unter dem Marktniveau liegen. Große Konzerne, aber auch der öffentliche Dienst bieten solche Modelle an.
Die Idee dahinter: Der Arbeitgeber bindet qualifizierte Mitarbeiter ans Unternehmen. Im Gegenzug profitieren Sie von günstigen Zinsen.
Typische Konditionen
Die Bedingungen variieren stark je nach Arbeitgeber. Einige Beispiele aus der Praxis:
Zinssatz: Oft zwischen 1% und 3%, manchmal sogar zinslos für kleinere Beträge.
Darlehenssumme: Meist begrenzt auf 10.000 bis 50.000 Euro. Als Vollfinanzierung taugt das selten, aber als Ergänzung durchaus.
Laufzeit: Typischerweise 5 bis 15 Jahre.
Tilgung: Häufig über Gehaltseinbehalt - die Rate wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen.
Steuerliche Behandlung
Hier wird es wichtig: Ein zinsgünstiges Arbeitgeberdarlehen gilt steuerlich als geldwerter Vorteil. Der Unterschied zwischen dem marktüblichen Zins und dem tatsächlich gezahlten Zins muss versteuert werden.
Ein Beispiel: Sie bekommen 30.000 Euro zu 1% Zinsen. Der marktübliche Zins liegt bei 4%. Die Differenz von 3% auf 30.000 Euro sind 900 Euro pro Jahr - das ist Ihr geldwerter Vorteil, der auf Ihr zu versteuerndes Einkommen aufgeschlagen wird.
Bei einem Grenzsteuersatz von 35% zahlen Sie also etwa 315 Euro mehr Steuern. Unterm Strich sparen Sie trotzdem 585 Euro gegenüber einem Bankkredit.
Wichtig: Es gibt eine Freigrenze. Bis zu einem Zinsvorteil von 50 Euro pro Monat (600 Euro pro Jahr) fällt keine Steuer an.
Vorteile des Arbeitgeberdarlehens
Günstige Zinsen sind der offensichtlichste Vorteil. Selbst nach Versteuerung des geldwerten Vorteils bleibt meist eine Ersparnis.
Keine Bonitätsprüfung wie bei der Bank. Ihr Arbeitgeber kennt Ihre finanzielle Situation durch die Gehaltsabrechnung.
Unkomplizierte Abwicklung: Kein Notar, keine Grundschuld, oft schnelle Zusage.
Flexible Rückzahlung bei manchen Arbeitgebern möglich, etwa Sondertilgungen ohne Gebühren.
Nachteile und Risiken
Abhängigkeit vom Arbeitgeber: Was passiert bei Kündigung? Bei den meisten Arbeitgeberdarlehen wird der Restbetrag dann sofort fällig. Das kann zum Problem werden.
Begrenzte Summen: Für eine Vollfinanzierung reicht es meist nicht. Das Arbeitgeberdarlehen taugt eher als Eigenkapitalersatz oder Zusatzfinanzierung.
Nicht alle haben Zugang: Kleinere Unternehmen bieten so etwas oft nicht an. Und auch bei größeren Firmen gibt es meist Voraussetzungen wie Mindestbetriebszugehörigkeit.
Steuerpflicht: Der geldwerte Vorteil kann die Ersparnis schmälern, besonders bei höheren Summen und längeren Laufzeiten.
Das Arbeitgeberdarlehen als Teil der Finanzierung
In der Praxis eignet sich das Arbeitgeberdarlehen am besten als Baustein einer Gesamtfinanzierung:
Beispiel: Sie kaufen eine Wohnung für 320.000 Euro. Ihre Finanzierung könnte so aussehen:
Eigenkapital: 50.000 Euro
Arbeitgeberdarlehen: 30.000 Euro
Bankdarlehen: 240.000 Euro
Das Arbeitgeberdarlehen erhöht faktisch Ihr Eigenkapital. Dadurch verbessert sich der Beleihungsauslauf - und Sie bekommen bei der Bank bessere Konditionen.
Was bei Jobwechsel passiert
Das ist die kritische Frage. Die meisten Verträge sehen vor, dass das Darlehen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückgezahlt werden muss. Oft gibt es Fristen von 3 bis 12 Monaten.
Prüfen Sie vor Abschluss genau:
Wie lange haben Sie Zeit zur Rückzahlung?
Gibt es eine Weiterführungsmöglichkeit zu anderen Konditionen?
Was passiert bei betriebsbedingter Kündigung?
Manche Arbeitgeber zeigen sich kulant und räumen längere Rückzahlungsfristen ein. Andere bestehen auf sofortiger Fälligkeit. Das sollten Sie vorher wissen.
Alternativen prüfen
Bevor Sie ein Arbeitgeberdarlehen annehmen, vergleichen Sie mit anderen Optionen:
KfW-Förderdarlehen können ähnlich günstig sein - ohne die Bindung an den Arbeitgeber.
Bauspardarlehen bieten ebenfalls niedrige Zinsen, wenn Sie einen zuteilungsreifen Bausparvertrag haben.
Auch ein normales Bankdarlehen kann konkurrenzfähig sein, wenn Sie gute Bonität und viel Eigenkapital mitbringen.
Fazit
Das Arbeitgeberdarlehen ist ein attraktiver Baustein für die Immobilienfinanzierung - wenn Sie die Rahmenbedingungen kennen und akzeptieren können. Die günstigen Zinsen machen es interessant, die Bindung an den Job ist der Preis dafür.
Besonders sinnvoll ist es als Ergänzung zur Bankfinanzierung, nicht als Ersatz. Und: Klären Sie vorher genau, was bei einem Jobwechsel passiert. Überraschungen kann bei einer Immobilienfinanzierung niemand gebrauchen.
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