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Bausparvertrag: Alles was Sie wissen müssen

Der Bausparvertrag ist ein Klassiker der Immobilienfinanzierung. Erfahren Sie, wie er funktioniert, was er kostet und für wen er sich lohnt.

Bausparvertrag: Der Klassiker unter der Lupe

Über 25 Millionen Bausparverträge gibt es in Deutschland. Fast jeder dritte Haushalt hat einen. Aber lohnt sich das eigentlich noch?

Was ist ein Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag ist ein Sparvertrag mit Darlehensanspruch. Sie schließen einen Vertrag über eine bestimmte Summe ab und verpflichten sich, diese teilweise anzusparen. Den Rest bekommen Sie als zinsgünstiges Darlehen.

Der Clou: Die Konditionen für das Darlehen stehen schon bei Vertragsabschluss fest. Egal wie sich die Zinsen entwickeln - Ihr Darlehenszins bleibt gleich.

Die zwei Phasen des Bausparvertrags

Phase 1: Ansparphase

Sie zahlen regelmäßig ein - meist 3 bis 5 Promille der Bausparsumme pro Monat, je nach Tarif auch mehr. Bei 50.000 Euro Bausparsumme sind das typischerweise 150 bis 250 Euro.

Das Guthaben wird verzinst, allerdings je nach Tarif unterschiedlich (etwa 0,1% bis 1,25% p.a.). Die Ansparphase dauert typischerweise 7 bis 10 Jahre, bis Sie das Mindestguthaben erreicht haben.

Phase 2: Darlehensphase

Ist der Vertrag zuteilungsreif, können Sie das Bauspardarlehen abrufen. Die Höhe entspricht der Differenz zwischen Bausparsumme und Ihrem Guthaben.

Das Darlehen hat einen festen Zinssatz und wird in gleichbleibenden Raten getilgt. Die Tilgung ist höher als bei Bankdarlehen - meist 5 bis 8 Promille der Bausparsumme pro Monat.

Was der Bausparvertrag kostet

Die Kosten im Überblick:

Abschlussgebühr: 1% bis 1,6% der Bausparsumme, fällig bei Vertragsabschluss. Diese Gebühr ist nach BGH-Rechtsprechung zulässig.

Kontoführung: Pauschale Jahres- oder Kontoführungsentgelte sind nach BGH-Rechtsprechung sowohl in der Anspar- als auch in der Darlehensphase unzulässig (BGH XI ZR 551/21 vom 15.11.2022 und BGH XI ZR 308/15 vom 09.05.2017). Bereits gezahlte Beträge können zurückgefordert werden.

Opportunitätskosten: Das Geld liegt zu niedrigen Zinsen auf dem Bausparkonto, statt anderswo möglicherweise mehr zu verdienen.

Bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro liegt die Hauptkostenposition in der Abschlussgebühr (500 bis 800 Euro) und den Opportunitätskosten durch niedrige Guthabenverzinsung.

Wann der Bausparvertrag zuteilungsreif wird

Die Zuteilung hängt von mehreren Faktoren ab:

Mindestguthaben: Meist 40% bis 50% der Bausparsumme müssen angespart sein.

Mindestlaufzeit: Je nach Tarif zwischen 12 und 60 Monaten, häufig 18 bis 24 Monate.

Bewertungszahl: Eine Kennzahl, die aus Sparleistung und Dauer berechnet wird. Sie muss einen bestimmten Wert erreichen.

Die Bewertungszahl belohnt regelmäßiges Sparen. Wer gleichmäßig einzahlt, kommt schneller zur Zuteilung als jemand, der unregelmäßig große Beträge überweist.

Für wen sich der Bausparvertrag lohnt

Zinssicherung für die Zukunft

Sie haben eine Immobilie mit Restschuld, die in 8-10 Jahren neu finanziert werden muss? Ein Bausparvertrag sichert den Zins für diese Anschlussfinanzierung heute schon ab.

Kleinere Modernisierungen

Für Summen zwischen 10.000 und 50.000 Euro ist das Bauspardarlehen oft die einfachste Lösung. Keine Grundschuld nötig, unkomplizierte Abwicklung.

Systematisches Sparen mit Förderung

Wer Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage (max. 43/86 Euro bei Einkommensgrenzen 40.000/80.000 Euro zvE) und Wohnungsbauprämie (max. 70/140 Euro bei Einkommensgrenzen 35.000/70.000 Euro zvE) hat, verbessert die Rendite deutlich. Bei maximaler Förderung können bis zu 113 Euro pro Person bzw. 226 Euro für zwei förderberechtigte Personen pro Jahr vom Staat kommen.

Disziplinierung

Der Bausparvertrag zwingt zum regelmäßigen Sparen. Für Menschen, die sonst ihr Geld ausgeben würden, kann das ein echter Vorteil sein.

Für wen sich der Bausparvertrag nicht lohnt

Kurzfristige Pläne

Wer in zwei Jahren kaufen will, hat keine Zeit für Bausparen. Die Zuteilung dauert zu lange.

Große Summen

Als Hauptfinanzierung für 300.000 Euro taugt der Bausparvertrag nicht. Die Summen sind zu klein, die Tilgungsraten zu hoch.

Reine Geldanlage

Zum Vermögensaufbau ohne Immobilienabsicht gibt es bessere Alternativen. Die Rendite des Bausparens ist mager.

Flexible Lebenssituation

Wer nicht weiß, wo er in 10 Jahren lebt und ob er überhaupt eine Immobilie will, bindet sich unnötig.

Bausparvertrag kündigen oder behalten?

Ein häufiges Dilemma: Der alte Bausparvertrag dümpelt vor sich hin. Weitermachen oder kündigen?

Behalten, wenn:

  • Der Guthabenzins über 1% liegt (Altverträge!)

  • Sie das Darlehen voraussichtlich nutzen werden

  • Die Zuteilung bald erreicht ist

Kündigen, wenn:

  • Sie das Darlehen definitiv nicht brauchen

  • Die Konditionen schlecht sind

  • Sie das Geld anderswo besser anlegen können

Achtung: Bei Kündigung vor Ablauf der 7-jährigen Sperrfrist müssen Sie staatliche Förderungen zurückzahlen.

Tipps für den Abschluss

Bausparsumme passend wählen: Nicht zu hoch (unnötige Gebühren), nicht zu niedrig (Darlehen reicht nicht).

Tarif vergleichen: Die Unterschiede zwischen Tarifen und Bausparkassen sind erheblich.

Förderung nutzen: Vermögenswirksame Leistungen und staatliche Zulagen kosten Sie nichts extra.

Regelmäßig einzahlen: Die Bewertungszahl steigt schneller bei konstanten Zahlungen.

Nicht überreden lassen: Bausparkassen-Vertreter verdienen am Abschluss. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung.

Fazit

Der Bausparvertrag ist kein Allheilmittel, aber auch nicht überholt. Als Instrument zur Zinssicherung und für kleinere Finanzierungsbausteine hat er seine Berechtigung.

Entscheidend ist, dass er zu Ihren Zielen passt. Rechnen Sie genau nach, vergleichen Sie Alternativen, und lassen Sie sich nicht von Vertriebsdruck leiten. Dann kann der Bausparvertrag ein sinnvoller Teil Ihrer Finanzplanung sein.

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