Beleihung: Wie die Bank Ihre Immobilie bewertet
Die Beleihung bestimmt, wie viel Kredit Sie für Ihre Immobilie bekommen können. Erfahren Sie, wie Banken den Beleihungswert ermitteln.
Beleihung: So bewertet die Bank Ihre Immobilie
Wenn Sie eine Immobilie finanzieren wollen, prüft die Bank nicht nur Ihre Bonität, sondern auch die Immobilie selbst. Die Beleihung bestimmt, bis zu welcher Summe der Kredit durch die Immobilie abgesichert ist.
Was bedeutet Beleihung?
Beleihung bedeutet, dass die Immobilie als Sicherheit für den Kredit dient. Die Bank lässt sich eine Grundschuld eintragen - im Notfall könnte sie die Immobilie verwerten, um ihr Geld zurückzubekommen.
Die zentrale Frage dabei: Wie viel ist die Immobilie wert, und wie viel davon kann als Sicherheit dienen?
Der Beleihungswert
Der Beleihungswert ist nicht identisch mit dem Kaufpreis. Er liegt in der Regel darunter - als Faustregel bei etwa 70% bis 90% des Verkehrswerts, abhängig von Objekt und Lage. Dieser Sicherheitsabschlag (meist 10-20%) wird von den Banken unterschiedlich angesetzt.
Warum dieser Abschlag? Die Bank denkt an den Ernstfall: Zwangsversteigerung. In diesem Szenario wird meist weniger erzielt als beim normalen Verkauf. Der Beleihungswert soll einen Wert darstellen, der auch unter ungünstigen Umständen nachhaltig zu erzielen wäre.
Beispiel
Kaufpreis der Immobilie: 350.000 Euro Beleihungswert (angenommen 80%): 280.000 Euro
Die Bank betrachtet die Immobilie als Sicherheit für maximal 280.000 Euro - nicht für den vollen Kaufpreis.
Wie der Beleihungswert ermittelt wird
Banken nutzen verschiedene Verfahren:
Sachwertverfahren
Hier wird der Wert aus Bodenwert plus Gebäudewert berechnet. Das Sachwertverfahren eignet sich besonders für selbstgenutzte Immobilien.
Bodenwert: Grundstücksgröße mal Bodenrichtwert Gebäudewert: Herstellungskosten minus Alterswertminderung
Ertragswertverfahren
Bei vermieteten Objekten zählt, welche Mieteinnahmen die Immobilie erwirtschaftet. Der Ertragswert ergibt sich aus den nachhaltigen Mieteinnahmen, kapitalisiert mit einem marktüblichen Zinssatz.
Vergleichswertverfahren
Der Wert wird aus Verkaufspreisen vergleichbarer Immobilien abgeleitet. Dieses Verfahren funktioniert gut bei standardisierten Objekten wie Eigentumswohnungen.
Nach der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV) werden Ertrags- und Sachwert (gegebenenfalls auch Vergleichswert) getrennt ermittelt. Regelmäßig ist der Ertragswert maßgeblich und darf nicht überschritten werden. Bei erheblichen Abweichungen zwischen den Verfahren wird eine Plausibilitätsprüfung durchgeführt und gegebenenfalls eine Anpassung vorgenommen (§ 4 BelWertV).
Faktoren, die den Beleihungswert beeinflussen
Die Lage ist der wichtigste Faktor. Eine Immobilie in München-Schwabing hat einen anderen Beleihungswert als ein vergleichbares Objekt in strukturschwachen Regionen.
Weitere Faktoren:
Zustand und Alter des Gebäudes
Energieeffizienz
Ausstattungsstandard
Grundriss und Nützbarkeit
Mikrolage (ruhig, laut, Infrastruktur)
Vermietbarkeit
Beleihungsgrenze und Beleihungsauslauf
Die Beleihungsgrenze
Die Beleihungsgrenze ist der Prozentsatz des Beleihungswerts, bis zu dem die Bank maximal finanziert. Bankintern sind häufig 60% bis 80% üblich.
Für Pfandbriefe gilt die gesetzliche Beleihungsgrenze von 60% des Beleihungswerts nach § 14 Pfandbriefgesetz (PfandBG). Darüber hinaus gehende Finanzierungen sind möglich, haben aber oft andere Konditionen.
Bei 280.000 Euro Beleihungswert und 80% Beleihungsgrenze: Maximale erstrangige Finanzierung: 224.000 Euro
Der Beleihungsauslauf
Der Beleihungsauslauf zeigt, wie viel Prozent des Beleihungswerts tatsächlich beliehen werden.
Darlehen: 200.000 Euro Beleihungswert: 280.000 Euro Beleihungsauslauf: 71,4%
Je niedriger der Beleihungsauslauf, desto besser für die Bank - und desto günstigere Zinsen bekommen Sie.
Auswirkungen auf Ihre Finanzierung
Auf den Zinssatz
Der Beleihungsauslauf beeinflusst den Zinssatz direkt. Typische Staffelung:
Bis 60% Beleihungsauslauf: Bester Zinssatz
60% bis 80%: Leichter Aufschlag (ca. 0,1-0,2%)
80% bis 100%: Deutlicher Aufschlag (ca. 0,3-0,5%)
Über 100%: Noch höherer Aufschlag, oft schwer zu bekommen
Auf die Kreditzusage
Bei sehr hohem Beleihungsauslauf (über 100%) wird die Finanzierung schwierig. Manche Banken finanzieren das gar nicht, andere verlangen hohe Aufschläge oder zusätzliche Sicherheiten.
Was Sie tun können
Eigenkapital erhöhen: Je mehr eigenes Geld Sie einbringen, desto niedriger der Beleihungsauslauf und desto besser die Konditionen.
Kaufpreis verhandeln: Ein günstigerer Kaufpreis verbessert das Verhältnis - auch wenn der Beleihungswert gleich bleibt.
Mehrere Angebote einholen: Banken bewerten unterschiedlich. Was bei Bank A nur 80% Beleihungswert ergibt, kann bei Bank B höher liegen.
Modernisierungen dokumentieren: Wenn Sie eine Immobilie gekauft und verbessert haben, kann der Beleihungswert steigen.
Beleihung bei Anschlussfinanzierung
Bei der Anschlussfinanzierung wird die Beleihung neu berechnet. Gute Nachrichten: Die Restschuld ist gesunken, der Beleihungsauslauf verbessert sich.
Beispiel: Ursprünglicher Kredit: 250.000 Euro Restschuld nach 10 Jahren: 180.000 Euro Beleihungswert (unverändert): 280.000 Euro Neuer Beleihungsauslauf: 64,3%
Das kann zu deutlich besseren Zinsen führen als bei der ursprünglichen Finanzierung.
Fazit
Die Beleihung ist ein zentrales Element der Baufinanzierung. Sie bestimmt, wie viel Kredit Sie bekommen und zu welchen Konditionen.
Je mehr Eigenkapital Sie einbringen, desto günstiger wird es. Aber auch ohne Maximaleigenkapital ist eine Finanzierung möglich - Sie zahlen dann eben mehr Zinsen. Rechnen Sie verschiedene Szenarien durch und entscheiden Sie, was für Ihre Situation passt.
✓ Vielen Dank für Ihr Feedback!