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Effektiver Jahreszins: Die einzige Zahl, die beim Kreditvergleich zählt

Der effektive Jahreszins zeigt die wahren Kosten eines Kredits. Erfahren Sie, was alles drin steckt und warum nur er wirklich vergleichbar ist.

Effektiver Jahreszins: Die einzige Zahl, die beim Kreditvergleich zählt

Letzte Woche hatte ich zwei Kreditangebote auf dem Tisch. Beide mit 3,5% Zinsen. Mein Kunde dachte die wären identisch. Waren sie aber nicht. Das eine kostete über die Laufzeit fast 8.000 Euro mehr. Der Unterschied lag im Effektivzins.

Was ist der effektive Jahreszins eigentlich?

Ganz simpel: Der Effektivzins zeigt Ihnen, was der Kredit wirklich kostet. Pro Jahr. In Prozent.

Der Nominalzins - also der Zinssatz, mit dem gerne geworben wird - ist nur ein Teil davon. Da fehlen noch Bearbeitungsgebuehren, Vermittlungskosten, das Disagio falls vorhanden, und noch so einiges mehr.

Der Effektivzins packt das alles zusammen. Deshalb ist er die einzige Zahl, die Sie beim Vergleich von Kreditangeboten interessieren sollte.

Wie setzt sich der Effektivzins zusammen?

Laut Preisangabenverordnung müssen Banken diese Kostenpunkte einrechnen:

  • Den Sollzins bzw. Nominalzins

  • Bearbeitungsgebuehren

  • Disagio oder Agio

  • Tilgungsverrechnungszeitpunkte

  • Die Laufzeit und Zahlungsweise

Nicht drin sind allerdings: Bereitstellungszinsen, Notarkosten, Grundbuchgebuehren, Kontoführungsgebuehren und die Gebäudeversicherung. Das sind zwar auch Kosten, aber die fallen unter freiwillige Nebenkosten.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ich hatte zwei Angebote für einen Kunden. Beide wollten 250.000 Euro aufnehmen:

Bank A: 3,2% Nominalzins, keine Bearbeitungsgebuehr. Effektivzins: 3,28%

Bank B: 3,0% Nominalzins, aber 1% Bearbeitungsgebuehr. Effektivzins: 3,45%

Der Kunde wollte erst Bank B nehmen weil 3,0% ja weniger als 3,2% ist. Klar, ist ja auch logisch. Aber die Bearbeitungsgebuehr von 2.500 Euro hat den vermeintlichen Vorteil mehr als aufgefressen.

Was bedeutet anfänglicher effektiver Jahreszins?

Bei Baufinanzierungen lesen Sie oft was von anfänglichem effektivem Jahreszins. Das ist wichtig zu verstehen.

Nach Ende der Zinsbindung - also nach 10 oder 15 Jahren - weiss niemand, wie hoch die Zinsen dann sind. Der Effektivzins kann nur für die Zinsbindungsfrist berechnet werden. Danach ändert er sich, weil Sie neu verhandeln müssen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Sie bei Baufinanzierungen so genau hinschauen müssen. Ein super Effektivzins nützt nichts, wenn nach 10 Jahren noch 180.000 Euro Restschuld übrig sind und die Zinsen dann bei 7% stehen.

Die rechtliche Seite

Seit 2010 sind Banken gesetzlich verpflichtet den effektiven Jahreszins anzugeben. Das regelt die Preisangabenverordnung im Paragraph 6. Ohne diese Angabe darf kein Kreditvertrag abgeschlossen werden.

Die Berechnung folgt der internen Zinsfussmethode. Klingt kompliziert, ist es auch. Vereinfacht gesagt werden alle Zahlungsstroeme auf den heutigen Wert abgezinst. Der Zinssatz bei dem die Summe null ergibt ist der Effektivzins.

Sie müssen das nicht selbst rechnen. Die Bank muss es Ihnen angeben.

Worauf Sie trotzdem achten sollten

Der Effektivzins ist gut zum Vergleichen. Aber er zeigt nicht alles.

Bereitstellungszinsen zum Beispiel. Wenn Sie ein Haus bauen, dauert es oft Monate bis das Geld komplett abgerufen wird. In der Zeit fallen Bereitstellungszinsen an - oft 0,25% pro Monat auf den nicht abgerufenen Teil. Das kann bei 200.000 Euro und 6 Monaten locker 3.000 Euro kosten. Im Effektivzins steht davon nichts.

Auch Sondertilgungsrechte sind nicht eingepreist. Die kosten zwar nichts direkt, aber manche Banken verlangen für bessere Sondertilgungsoptionen einen Zinsaufschlag.

Mein Rat aus der Praxis

Schauen Sie immer auf den Effektivzins. Nicht auf den Nominalzins. Nicht auf irgendwelche Werbeslogans.

Und dann rechnen Sie trotzdem nach was Sie insgesamt zahlen. Manchmal ist ein Kredit mit höherem Effektivzins aber besseren Sondertilgungsrechten am Ende günstiger - wenn Sie die Sondertilgungen auch nutzen.

Bei Baufinanzierungen sollten Sie sich außerdem die Bereitstellungszinsen genau anschauen. Manche Banken bieten bis zu 12 Monate bereitstellungszinsfrei an. Das kann einen echten Unterschied machen.

Der Effektivzins ist der beste Vergleichswert den wir haben. Aber er ist nicht perfekt.

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