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Bereitstellungszins: Die versteckten Kosten der Baufinanzierung

Bereitstellungszinsen fallen an, wenn Sie Ihr Darlehen nicht sofort abrufen. Erfahren Sie, wie Sie diese Kosten minimieren.

Bereitstellungszins: Kosten für wartendes Geld

Die Bank hat Ihr Darlehen bewilligt, aber Sie brauchen das Geld noch nicht? Das kann teuer werden. Bereitstellungszinsen sind eine oft übersehene Kostenfalle der Baufinanzierung.

Was sind Bereitstellungszinsen?

Bereitstellungszinsen fallen an, wenn die Bank das Darlehen für Sie reserviert, Sie es aber noch nicht abrufen. Die Bank hält das Geld bereit - und lässt sich das bezahlen.

Der übliche Satz: 0,25% pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag. Das klingt wenig, summiert sich aber schnell.

Beispiel: Sie haben 300.000 Euro bewilligt bekommen, aber erst 100.000 Euro abgerufen. Bereitstellungszins auf 200.000 Euro: 500 Euro pro Monat

Bei einer Bauverzögerung von 6 Monaten sind das 3.000 Euro - für nichts.

Wann Bereitstellungszinsen anfallen

Es gibt eine bereitstellungszinsfreie Zeit. In dieser Frist können Sie das Darlehen abrufen, ohne Bereitstellungszinsen zu zahlen.

Typische Fristen:

  • Standardmäßig: 3 bis 6 Monate

  • Nach Verhandlung: 6 bis 12 Monate

  • Bei manchen Banken: Bis zu 24 Monate (gegen Aufpreis)

Nach Ablauf dieser Frist werden Bereitstellungszinsen berechnet - auf jeden nicht abgerufenen Euro.

Warum Banken Bereitstellungszinsen berechnen

Die Bank refinanziert sich am Geldmarkt. Wenn sie Ihnen ein Darlehen zusagt, muss sie das Geld beschaffen - oder zumindest reservieren.

Solange Sie nicht abrufen, liegt das Geld herum. Die Bank kann es nicht anderweitig verleihen. Die Bereitstellungszinsen sind ein Ausgleich für diese Opportunitätskosten.

Kritiker sagen: Die Zinsen sind überhöht, weil Banken das Geld oft gar nicht konkret bereithalten. Aber so funktioniert das Geschäft nun mal.

Wann Bereitstellungszinsen typischerweise anfallen

Bei Neubauten

Das klassische Szenario. Der Bau dauert länger als geplant - Handwerkermangel, Lieferprobleme, Genehmigungen. Die Darlehensauszahlung folgt dem Baufortschritt, und der stockt.

Bei einem Neubau, der sich von 12 auf 18 Monate verzögert, können leicht 5.000 bis 10.000 Euro Bereitstellungszinsen anfallen.

Bei Kaufimmobilien mit langer Übergangszeit

Manchmal wird der Kaufpreis erst spät fällig - etwa wenn der Verkäufer noch auszieht oder Genehmigungen ausstehen. Auch hier können Bereitstellungszinsen anfallen.

Bei verzögerter Grundschuldeintragung

Das Grundbuchamt ist langsam, die Auszahlungsvoraussetzungen ziehen sich. Wenn das länger dauert als die bereitstellungszinsfreie Zeit, wird es teuer.

So minimieren Sie Bereitstellungszinsen

Lange bereitstellungszinsfreie Zeit verhandeln

Der wichtigste Hebel. Verhandeln Sie bei der Kreditaufnahme eine möglichst lange Frist - 12 Monate sollten möglich sein, manchmal auch mehr.

Manche Banken verlangen dafür einen kleinen Zinsaufschlag. Rechnen Sie durch, ob sich das lohnt.

Realistisch planen

Planen Sie den Bauablauf konservativ. Wenn der Bauträger 12 Monate verspricht, rechnen Sie intern mit 15 bis 18 Monaten.

Abruftermine mit Bauphasen abstimmen

Stimmen Sie mit Ihrer Bank ab, wann welche Beträge fällig werden. Je besser die Koordination, desto weniger Wartezeit.

Teilabrufe nutzen

Rufen Sie nur so viel ab, wie Sie gerade brauchen. Lieber mehrere kleine Abrufe als einen großen zu früh.

Flexibles Darlehen wählen

Manche Anbieter haben flexible Produkte ohne oder mit geringen Bereitstellungszinsen. Das kann sich lohnen, wenn Unsicherheit über den Zeitplan besteht.

Bereitstellungszinsen im Vergleich

Bei der Angebotsauswahl sollten Sie die Bereitstellungszinsen berücksichtigen:

Fragen Sie nach:

  • Wie lange ist die bereitstellungszinsfreie Zeit?

  • Wie hoch sind die Bereitstellungszinsen danach?

  • Kann die zinsfreie Zeit verlängert werden?

Ein Angebot mit 0,1% niedrigerem Zinssatz, aber nur 3 Monaten bereitstellungszinsfreier Zeit kann teurer sein als eines mit höherem Zins und 12 Monaten Frist.

Beispielrechnung

Darlehen: 280.000 Euro Abruf: In 4 Raten über 14 Monate

Variante A: 6 Monate bereitstellungszinsfrei

  • Ab Monat 7 fallen Bereitstellungszinsen an

  • Durchschnittlich noch 180.000 Euro offen

  • 8 Monate x 0,25% x 180.000 Euro = 3.600 Euro

Variante B: 12 Monate bereitstellungszinsfrei

  • Nur für Monat 13 und 14 fallen Zinsen an

  • Durchschnittlich noch 70.000 Euro offen

  • 2 Monate x 0,25% x 70.000 Euro = 350 Euro

Ersparnis: 3.250 Euro

Selbst wenn Variante B einen Zinsaufschlag von 0,05% hätte, wäre sie bei dieser Konstellation günstiger.

Fazit

Bereitstellungszinsen sind ein oft unterschätzter Kostenfaktor, besonders bei Neubauten. Die Standardfristen von 3 bis 6 Monaten reichen bei vielen Projekten nicht aus.

Verhandeln Sie eine lange bereitstellungszinsfreie Zeit - mindestens 12 Monate bei Neubauten. Und planen Sie realistisch: Bauprojekte dauern fast immer länger als gedacht. So vermeiden Sie böse Überraschungen auf der Kostenrechnung.

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