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Lebensdauer einer Immobilie: Wie lange hält ein Haus?

Wie lange hält eine Immobilie? Gesamtnutzungsdauer verschiedener Gebäudetypen und was die Lebensdauer beeinflusst.

Lebensdauer einer Immobilie

Die Lebensdauer einer Immobilie bezeichnet den Zeitraum, in dem ein Gebäude wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. Sie endet, wenn Abriss und Neubau wirtschaftlicher sind als weitere Investitionen in die Bestandsimmobilie.

Definition und Begriffe

Bei Immobilien werden zwei Arten der Lebensdauer unterschieden:

Technische Lebensdauer Die technische Lebensdauer beschreibt die Zeitspanne, in der die Bausubstanz physisch standfähig bleibt. Massivbauten können bei entsprechender Instandhaltung mehrere Jahrhunderte überdauern.

Wirtschaftliche Lebensdauer (Gesamtnutzungsdauer) Die wirtschaftliche Lebensdauer bezeichnet den Zeitraum der sinnvollen Nutzbarkeit eines Gebäudes. Sie ist in der Regel kürzer als die technische Lebensdauer, da Grundrisse veralten, technische Standards sich ändern und Nutzungsanforderungen steigen.

In der Immobilienbewertung ist die wirtschaftliche Lebensdauer die maßgebliche Größe.

Typische Gesamtnutzungsdauern

Gutachterausschüsse und Wertermittlungsvorschriften definieren folgende Richtwerte für die Gesamtnutzungsdauer:

Wohngebäude:

  • Einfamilienhäuser (massiv): 70-100 Jahre

  • Mehrfamilienhäuser: 60-80 Jahre

  • Reihenhäuser: 70-80 Jahre

  • Doppelhaushälften: 70-80 Jahre

  • Fertighäuser (ältere Bauart): 50-70 Jahre

  • Fertighäuser (moderne Bauart): 70-80 Jahre

Gewerbebauten:

  • Bürogebäude: 50-70 Jahre

  • Einzelhandel: 40-60 Jahre

  • Lagerhallen: 40-50 Jahre

  • Produktionsgebäude: 40-60 Jahre

  • Hotels: 50-70 Jahre

Sonstige Gebäudetypen:

  • Garagen: 50-60 Jahre

  • Parkhäuser: 40-50 Jahre

  • Tankstellen: 30-40 Jahre

Die genannten Werte sind Durchschnittswerte. Die tatsächliche Lebensdauer einzelner Gebäude kann davon abweichen.

Einflussfaktoren auf die Lebensdauer

Bauqualität

Die Qualität der verwendeten Materialien, die Sorgfalt der Ausführung und die fachgerechte Planung beeinflussen die Lebensdauer eines Gebäudes wesentlich.

Instandhaltung

Regelmäßige und fachgerechte Instandhaltungsmaßnahmen sind entscheidend für die Erhaltung der Bausubstanz. Ausbleibende Instandhaltung über längere Zeiträume führt zu einer deutlichen Verkürzung der Lebensdauer.

Modernisierungen

Umfassende Sanierungsmaßnahmen können die Restnutzungsdauer eines Gebäudes verlängern. Zu den relevanten Maßnahmen zählen die Erneuerung der Heizungsanlage, die Dachsanierung sowie der Austausch von Fenstern und Fassadenelementen.

Nutzungsintensität

Die Intensität der baulichen Nutzung beeinflusst den Verschleiß der Bausubstanz. Gewerblich genutzte Objekte mit hoher Beanspruchung weisen in der Regel einen stärkeren Verschleiß auf als Wohngebäude.

Standortbedingungen

Standortspezifische Faktoren wie Grundwassersituation, Hanglage, Hochwasserrisiko und Vegetation können die Bausubstanz beeinträchtigen und die Lebensdauer beeinflussen.

Bauweise

Die konstruktive Ausführung des Gebäudes wirkt sich auf die Lebensdauer aus. Massivbauweise zeigt in der Regel eine längere Haltbarkeit als Leichtbauweise. Auch das Vorhandensein eines Kellers beeinflusst die Gesamtlebensdauer.

Lebensdauer einzelner Bauteile

Die Gesamtlebensdauer eines Gebäudes wird durch die unterschiedliche Haltbarkeit einzelner Bauteile bestimmt:

Langlebige Bauteile (50-100+ Jahre):

  • Fundament

  • Tragende Wände

  • Kellermauerwerk

  • Dachkonstruktion (Holz)

Mittlere Lebensdauer (25-50 Jahre):

  • Dacheindeckung

  • Fenster

  • Fassadenverkleidung

  • Sanitärinstallation

Kürzere Lebensdauer (15-25 Jahre):

  • Heizungsanlage

  • Elektroinstallation (teilweise)

  • Bodenbeläge

  • Anstrich und Tapeten

Die Gesamtnutzungsdauer orientiert sich an den langlebigen tragenden Bauteilen, setzt jedoch die regelmäßige Erneuerung kurzlebiger Komponenten voraus.

Auswirkungen auf den Verkehrswert

Die Restnutzungsdauer (Gesamtnutzungsdauer abzüglich Alter) beeinflusst die Wertermittlung in mehreren Verfahren:

Sachwertverfahren: Die Restnutzungsdauer bestimmt die Alterswertminderung des Gebäudes.

Beispielrechnung:

  • Gesamtnutzungsdauer: 80 Jahre

  • Alter: 50 Jahre

  • Restnutzungsdauer: 30 Jahre

  • Alterswertminderung: 50/80 = 62,5%

  • Restwert: 37,5% des Neuwerts

Ertragswertverfahren: Die Restnutzungsdauer bestimmt den Vervielfältiger im Ertragswertverfahren. Eine längere Restnutzungsdauer führt zu einem höheren Vervielfältiger und damit zu einem höheren Ertragswert.

Verlängerung der Lebensdauer durch Modernisierung

Die Restnutzungsdauer kann durch umfassende Modernisierungsmaßnahmen verlängert werden. Die Sachwertrichtlinie verwendet hierfür ein Punktesystem zur Bewertung des Modernisierungsgrads.

Typische Modernisierungsmaßnahmen mit Punktewerten:

  • Dachsanierung: 3-5 Punkte

  • Heizungserneuerung: 3-5 Punkte

  • Fenstererneuerung: 3-5 Punkte

  • Fassadendämmung: 3-5 Punkte

  • Elektrikerneuerung: 2-4 Punkte

  • Sanitärsanierung: 2-4 Punkte

Die Summe der Punkte bestimmt die rechnerische Verlängerung der Restnutzungsdauer.

Ende der wirtschaftlichen Lebensdauer

Die wirtschaftliche Lebensdauer endet, wenn einer der folgenden Fälle eintritt:

  • Die Sanierungskosten erreichen oder übersteigen die Neubaukosten

  • Das Gebäude kann aktuelle bauliche oder funktionale Anforderungen nicht mehr erfüllen

  • Die Bausubstanz ist derart geschädigt, dass eine Erhaltung wirtschaftlich nicht vertretbar ist

Die Erreichung der wirtschaftlichen Lebensdauer ist nicht an einen festen Zeitpunkt gebunden. Einzelne Gebäude können nach 40 Jahren wirtschaftlich verbraucht sein, während andere nach 120 Jahren noch nutzbar sind.

Denkmalgeschützte Gebäude

Bei denkmalgeschützten Gebäuden gelten besondere Maßstäbe. Der Erhaltungsauftrag hat Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen. Die Lebensdauer kann bei entsprechenden Investitionen unbegrenzt sein.

Bedeutung für die Wertermittlung

Die Lebensdauer einer Immobilie ist keine unveränderliche Größe, sondern wird durch Bauweise, Instandhaltung und Modernisierung bestimmt. Die Einschätzung der Restnutzungsdauer stellt eine zentrale Aufgabe in der gutachterlichen Wertermittlung dar und beeinflusst das Bewertungsergebnis maßgeblich.

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