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Jahres-Primärenergiebedarf: Die wichtigste Kennzahl im Energieausweis

Wer einen Energieausweis in der Hand hält, stößt schnell auf diesen Begriff: Jahres-Primärenergiebedarf. Die Zahl steht prominent auf dem Ausweis und entscheidet mit über Förderungen, Bauanträge und den Immobilienwert.

Zuletzt aktualisiert: 13.01.2026

Jahres-Primärenergiebedarf: Die wichtigste Kennzahl im Energieausweis

Wer einen Energieausweis in der Hand hält, stößt schnell auf diesen Begriff: Jahres-Primärenergiebedarf. Die Zahl steht prominent auf dem Ausweis und entscheidet mit über Förderungen, Bauanträge und den Immobilienwert. Was sie bedeutet und wie sie berechnet wird.

Primärenergie - was ist das überhaupt?

Um Primärenergie zu verstehen, hilft ein Blick auf die Energiekette:

Primärenergie: Die Energie, die in der Natur vorkommt - Erdgas im Boden, Kohle im Bergwerk, Sonnenstrahlung auf dem Dach. Noch nicht umgewandelt oder transportiert.

Endenergie: Die Energie, die beim Verbraucher ankommt - Gas am Hausanschluss, Strom aus der Steckdose, Heizöl im Tank.

Nutzenergie: Die Energie, die tatsächlich genutzt wird - Wärme im Raum, warmes Wasser aus dem Hahn.

Zwischen Primär- und Endenergie liegen Verluste: Bei der Förderung, beim Transport, bei der Umwandlung im Kraftwerk. Diese Verluste werden im Primärenergiebedarf mitgerechnet.

Warum nicht einfach Endenergie?

Die Endenergie zeigt, was Sie tatsächlich bezahlen - Gas, Öl, Strom. Das ist für die Heizkostenrechnung relevant.

Die Primärenergie zeigt, wie viel Ressourcen insgesamt verbraucht werden - inklusive aller vorgelagerten Verluste. Das ist für den Klimaschutz relevant.

Ein Beispiel macht es deutlich:

Eine Ölheizung verbraucht 100 kWh Heizöl (Endenergie). Um dieses Öl zu fördern, zu transportieren und zu raffinieren, wurden aber 110 kWh Primärenergie aufgewendet. Der Primärenergiefaktor für Heizöl beträgt daher 1,1.

Eine Wärmepumpe verbraucht 30 kWh Strom (Endenergie). Stammt der Strom aus dem deutschen Mix, wurden dafür etwa 54 kWh Primärenergie aufgewendet (Faktor 1,8). Stammt er aus der eigenen Photovoltaikanlage, ist der Faktor nahe Null.

Primärenergiefaktoren verschiedener Energieträger

Das Gebäudeenergiegesetz legt die Faktoren fest:

EnergieträgerPrimärenergiefaktor
Heizöl1,1
Erdgas1,1
Steinkohle1,1
Strom (Netzbezug)1,8
Fernwärme (fossile KWK)0,7
Fernwärme (erneuerbar)0,0
Holz/Pellets0,2
Solarthermie0,0
Umweltwärme (Wärmepumpe)0,0

Die Logik: Erneuerbare Energien haben niedrige Faktoren, weil keine fossilen Ressourcen verbraucht werden. Strom aus dem Netz hat einen hohen Faktor, weil der deutsche Strommix noch viel Kohle und Gas enthält.

So wird der Jahres-Primärenergiebedarf berechnet

Die Berechnung erfolgt in mehreren Schritten:

Schritt 1: Nützenergiebedarf ermitteln Wie viel Wärme braucht das Gebäude für Heizung und Warmwasser? Das hängt von Dämmung, Fenstern, Gebäudegeometrie und Standort ab.

Schritt 2: Anlagenverluste einrechnen Heizkessel, Speicher, Leitungen - überall geht Energie verloren. Diese Verluste werden addiert.

Schritt 3: Endenergiebedarf berechnen Nützenergiebedarf plus Anlagenverluste ergibt den Endenergiebedarf - also wie viel Gas, Öl oder Strom gebraucht wird.

Schritt 4: Primärenergiefaktor anwenden Endenergiebedarf mal Primärenergiefaktor ergibt den Primärenergiebedarf.

Ergebnis: Der Jahres-Primärenergiebedarf in kWh pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a).

Was bedeuten die Zahlen?

Orientierungswerte für Wohngebäude:

PrimärenergiebedarfEinordnungTypisches Gebäude
Unter 30 kWh/m²aSehr gutPassivhaus
30-50 kWh/m²aGutKfW-Effizienzhaus 40
50-75 kWh/m²aÜberdurchschnittlichNiedrigenergiehaus
75-100 kWh/m²aDurchschnitt NeubauGEG-Mindeststandard
100-150 kWh/m²aVerbesserungswürdigSanierter Altbau
Über 150 kWh/m²aKritischUnsanierter Altbau

Primärenergiebedarf und gesetzliche Anforderungen

Das Gebäudeenergiegesetz macht klare Vorgaben:

Neubauten: Der Primärenergiebedarf darf den eines Referenzgebäudes nicht überschreiten. Dieses Referenzgebäude hat die gleiche Geometrie, aber definierte Standardwerte für Dämmung und Technik.

Sanierung: Bei umfassender Sanierung gelten Anforderungen an das sanierte Gebäude. Bei Einzelmaßnahmen gibt es Mindeststandards für die jeweiligen Bauteile.

Förderung: KfW-Effizienzhäuser werden nach ihrem Primärenergiebedarf klassifiziert. Ein Effizienzhaus 40 braucht maximal 40 Prozent des Referenzgebäudes.

Warum Wärmepumpen so gut abschneiden

Mit dem Primärenergiefaktor wird klar, warum Wärmepumpen im Energieausweis glänzen:

Eine Gasheizung liefert 100 kWh Wärme und verbraucht dafür 110 kWh Gas (bei 90% Wirkungsgrad). Primärenergie: 110 x 1,1 = 121 kWh.

Eine Wärmepumpe liefert 100 kWh Wärme und verbraucht dafür 25 kWh Strom (bei Jahresarbeitszahl 4). Primärenergie: 25 x 1,8 = 45 kWh.

Die Wärmepumpe braucht also nur ein Drittel der Primärenergie - obwohl Strom einen höheren Faktor hat als Gas.

Primärenergie vs. CO2-Emissionen

Lange war der Primärenergiebedarf die maßgebliche Größe. Zunehmend rücken auch die CO2-Emissionen in den Fokus. Beide Kennzahlen korrelieren oft, aber nicht immer:

  • Holzpellets haben einen niedrigen Primärenergiefaktor (0,2), stoßen aber durchaus CO2 aus - wenn auch als erneuerbarer Kreislauf bewertet.

  • Kernenergie hat einen niedrigen CO2-Ausstoß, aber einen nennenswerten Primärenergieaufwand.

Im Energieausweis werden seit 2021 beide Werte angegeben: Primärenergiebedarf und CO2-Emissionen.

Praktische Bedeutung für Eigentümer

Beim Neubau: Der Planer muss nachweisen, dass die Anforderungen eingehalten werden. Der Primärenergiebedarf ist eine von zwei Hauptkenngrößen (neben dem Transmissionswärmeverlust).

Beim Kauf: Ein niedriger Primärenergiebedarf signalisiert ein energieeffizientes Gebäude. Allerdings sagt er nichts über die tatsächlichen Heizkosten - die hängen von der Endenergie und den Energiepreisen ab.

Bei Förderung: Die KfW-Effizienzhausstufen beziehen sich auf den Primärenergiebedarf. Je niedriger, desto höher die Förderung.

Fazit

Der Jahres-Primärenergiebedarf ist die zentrale Kennzahl für die energetische Bewertung von Gebäuden. Er berücksichtigt nicht nur den Verbrauch vor Ort, sondern die gesamte Energiekette - und bevorzugt damit erneuerbare Energien. Wer ein Haus baut, kauft oder saniert, sollte diese Zahl kennen und einordnen können.

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