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Geldumsatz im Immobilienmarkt: Definition und Bedeutung

Der Geldumsatz misst das Transaktionsvolumen am Immobilienmarkt. Erfahren Sie, warum diese Kennzahl für Investoren und Makler so wichtig ist.

Geldumsatz im Immobilienmarkt

Der Geldumsatz ist eine zentrale Kennzahl zur Bewertung des Immobilienmarkts, die das gesamte Transaktionsvolumen eines definierten Zeitraums abbildet. Sie wird von Gutachterausschüssen und Marktforschungsinstituten zur Analyse der Immobilienmarktentwicklung herangezogen.

Definition und Erfassung

Der Geldumsatz im Immobilienwesen bezeichnet die Summe aller vertraglich vereinbarten Gegenleistungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums für Immobilien entrichtet wurden. Die Kennzahl erfasst sämtliche notariell beurkundeten Kaufverträge eines Gebiets.

In die Berechnung fließen neben klassischen Kaufpreisen auch sonstige Leistungen sowie vorbehaltene Nutzungen wie Nießbrauch oder Wohnrecht (in der Regel kapitalisiert) ein. Auch Tauschgeschäfte werden mit dem Verkehrswert der übertragenen Grundstücke berücksichtigt. Rentenzahlungen bei Immobilienrenten sowie Nießbrauchs- und Wohnrechtsvereinbarungen werden entsprechend ihrem kapitalisierten Wert erfasst. Zwangsversteigerungen fließen mit dem Zuschlagspreis ein. Share-Deals ohne unmittelbaren Grundstücksübergang werden nicht erfasst.

Die Datenerhebung erfolgt durch die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte, die als selbständige, unabhängige Gremien gemäß §§ 192 ff. Baugesetzbuch (BauGB) bei den Kommunen und Landkreisen eingerichtet sind. Notare übermitteln gemäß § 195 BauGB Abschriften einschlägiger Urkunden (unter anderem Kauf, Tausch, Zwangsversteigerung, Erbbaurecht) an die Ausschüsse. Auf dieser Basis führen die Ausschüsse die Kaufpreissammlung und veröffentlichen Grundstücksmarktberichte.

Bedeutung als Marktindikator

Der Geldumsatz fungiert als Liquiditätsindikator für den Immobilienmarkt. Er ermöglicht Rückschlüsse auf Marktaktivität, Investitionsbereitschaft und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Marktaktivität

Ein hohes Transaktionsvolumen indiziert einen liquiden Markt mit funktionierender Preisfindung. Zahlreiche Marktteilnehmer finden zusammen, was auf Vertrauen in die Marktverhältnisse und klare Preiserwartungen hinweist.

Ein rückläufiger Geldumsatz signalisiert hingegen Marktzurückhaltung. Diese kann sowohl nachfrageseitig (fehlende Kaufinteressenten) als auch angebotsseitig (Verkaufsbereitschaft) begründet sein. Ursachen sind häufig gestiegene Finanzierungskosten, wirtschaftliche Unsicherheit oder erwartete Preiskorrekturen.

Prognostische Funktion

Für Investoren besitzt der Geldumsatz prognostische Bedeutung. Deutliche Veränderungen im Transaktionsvolumen gehen Preisbewegungen oft voraus. Ein einbrechender Geldumsatz kann auf bevorstehende Preiskorrekturen hindeuten, während ein Wiederanstieg eine Marktstabilisierung ankündigen kann.

Entwicklung in Deutschland

Langfristiger Verlauf

Nach einem jahrelangen Anstieg erreichte der Geldumsatz am deutschen Immobilienmarkt 2021 einen Höchststand von 356,7 Milliarden Euro. Die Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank hatte zu erhöhter Nachfrage und steigenden Transaktionsvolumina geführt.

Auswirkungen der Zinswende

Die Leitzinserhöhungen ab 2022 führten zu deutlichen Veränderungen. Das gesamte Transaktionsvolumen sank 2022 auf 301,1 Milliarden Euro (minus 16 Prozent gegenüber 2021). 2023 war ein Taljahr mit etwa 213 Milliarden Euro (minus 29 Prozent gegenüber 2022) und 733.000 Transaktionen (minus 15 Prozent). Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und der Arbeitskreis der Oberen Gutachterausschüsse ermittelten für 2024 ein Transaktionsvolumen von 247 Milliarden Euro - ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber 2023, jedoch weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau (Quelle: BBSR/AK OGA).

Die Anzahl der Kaufverträge stieg 2024 auf 805.000, blieb jedoch etwa 20 Prozent unter dem langfristigen Durchschnitt. Dies indiziert eine beginnende Markterholung bei nach wie vor verhaltener Aktivität.

Regionale Disparitäten

Die regionalen Unterschiede im Geldumsatz sind erheblich. Metropolregionen wie München, Berlin, Hamburg und Frankfurt verzeichnen auch in der Anpassungsphase substantielle Transaktionsvolumina. In strukturschwachen Regionen mit negativer demografischer Entwicklung ist die Marktaktivität dagegen deutlich reduziert.

Einflussfaktoren auf den Geldumsatz

Zinsniveau

Das Zinsniveau übt den stärksten Einfluss auf das Transaktionsvolumen aus. Niedrige Finanzierungszinsen erhöhen die Erschwinglichkeit von Immobilien und stimulieren die Nachfrage. Steigende Zinsen führen zu höheren Kreditlasten und dämpfen die Kaufbereitschaft entsprechend.

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die allgemeine Wirtschaftslage bestimmt Investitionsbereitschaft und Konsumverhalten. In Rezessionsphasen dominiert Zurückhaltung, während konjunkturelle Aufschwünge mit erhöhter Transaktionsaktivität einhergehen. Arbeitsmarktlage, Einkommensentwicklung und wirtschaftliche Erwartungen beeinflussen die Immobiliennachfrage maßgeblich.

Demografische Faktoren

Langfristige demografische Entwicklungen prägen die Nachfragestruktur. Wachsende Regionen mit Bevölkerungszunahme verzeichnen höhere Transaktionsvolumina als schrumpfende Gebiete. Urbanisierungsprozesse konzentrieren die Nachfrage auf Ballungsräume und erhöhen dort den Geldumsatz.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Staatliche Regulierung wirkt direkt auf die Transaktionskosten. Erhöhungen der Grunderwerbsteuer verteuern Immobilienerwerbe und dämpfen die Nachfrage. Förderprogramme wie zinsverbilligte Darlehen oder Zuschüsse stimulieren hingegen die Kauftätigkeit.

Marktpsychologie

Erwartungshaltungen und Stimmungen beeinflussen Marktteilnehmer unabhängig von objektiven Fundamentaldaten. In Unsicherheitsphasen dominiert Abwartehaltung auf Käufer- und Verkäuferseite, was das Transaktionsvolumen reduziert, obwohl Liquidität und Objekte verfügbar wären.

Geldumsatz und Transaktionszahl im Zusammenhang

Der Geldumsatz muss in Relation zur Transaktionszahl interpretiert werden, um fundierte Marktaussagen zu ermöglichen.

Konstanter Geldumsatz bei sinkender Transaktionszahl

Diese Konstellation indiziert Preissteigerungen. Es werden weniger Objekte gehandelt, jedoch zu höheren Durchschnittspreisen. Dies kann auf überhitzte Märkte mit Verdrängung preissensitiver Käuferschichten hindeuten.

Sinkender Geldumsatz bei stabiler Transaktionszahl

Diese Kombination signalisiert Preiskorrekturen. Die Anzahl der Transaktionen bleibt konstant, jedoch sinken die durchschnittlichen Kaufpreise. Dies ist typisch für Marktanpassungsphasen nach Preisübertreibungen.

Differenzierte Analyse

Eine fundierte Marktbewertung erfordert die kombinierte Betrachtung beider Kennzahlen, differenziert nach Immobilientypen (Wohn-/Gewerbeimmobilien) und regionalen Märkten. Die Grundstücksmarktberichte der Gutachterausschüsse bieten diese Aufschlüsselung.

Bedeutung für Marktteilnehmer

Käuferperspektive

Niedriges Transaktionsvolumen erweitert tendenziell den Verhandlungsspielraum für Käufer. Reduzierte Nachfrage zwingt Verkäufer zu realistischeren Preisvorstellungen. Die Auswahl verfügbarer Objekte kann jedoch eingeschränkt sein.

Verkäuferperspektive

Hohes Transaktionsvolumen indiziert aktive Nachfrage und ermöglicht bessere Preisdurchsetzung. Allerdings erhöht sich gleichzeitig das Angebot konkurrierender Objekte. Markttiming gewinnt an Bedeutung.

Einschätzung

Der Geldumsatz bildet eine zentrale Kennzahl zur Beurteilung der Immobilienmarktdynamik. Er fungiert als Frühindikator für Preisbewegungen und ermöglicht die Einordnung aktueller Marktphasen. Für Investitionsentscheidungen sollte er in Verbindung mit weiteren Marktindikatoren wie Preisentwicklung, Vermarktungsdauer und regionaler Wirtschaftsentwicklung betrachtet werden.

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