Drempel-Kniestock
Der Drempel oder Kniestock ist die Wand zwischen Geschossdecke und Dachschräge
Drempel und Kniestock
Der Drempel (auch Kniestock oder Trempelwand genannt) ist der aufgemauerte Wandteil zwischen der obersten Geschossdecke und dem Ansatz der Dachschräge. Seine Höhe beeinflusst die Nutzbarkeit des Dachgeschosses und entscheidet mit darüber, ob das Dachgeschoss als Vollgeschoss einzustufen ist.
Was ist ein Drempel?
Der Drempel – auch Kniestock genannt – ist der aufgemauerte Wandteil zwischen der obersten Geschossdecke und dem Beginn der Dachschräge. Er bildet sozusagen das Fundament des Daches auf der Außenwand.
Der Name Kniestock kommt daher, dass die Wand ungefähr kniehoch ist – jedenfalls bei traditionellen Ausführungen. Je höher der Drempel, desto mehr Kopffreiheit im Dachgeschoss.
Technisch gesehen ist der Drempel die vertikale Verlängerung der Außenwand oberhalb der Rohdecke bis zum Fußpunkt der Sparren.
Drempel, Kniestock, Trempelwand – was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet, obwohl es regionale Unterschiede gibt:
Drempel: Vor allem in Norddeutschland gebräuchlich
Kniestock: In Süddeutschland und Österreich verbreitet
Trempel: Variante des Begriffs Drempel
In Fachkreisen meinen alle drei Begriffe dasselbe: die aufgehende Wand zwischen Decke und Dach.
Typische Maße
Die Höhe des Drempels variiert je nach Bauweise und Planung:
| Drempelhöhe | Nutzbarkeit | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| 0 cm | Kaum Stehhöhe an der Wand | Nicht ausgebaute Dachräume |
| 50 cm | Eingeschränkt nutzbar | Einfache Speicher |
| 80-100 cm | Gut nutzbar | Wohnräume im Dachgeschoss |
| 120-150 cm | Sehr gut nutzbar | Hochwertige Dachwohnungen |
| über 150 cm | Wie Normalgeschoss | Quasi vollwertiges Stockwerk |
Je höher der Drempel, desto mehr nutzbare Fläche im Dachgeschoss. Allerdings steigen auch die Baukosten, und es können baurechtliche Konsequenzen entstehen.
Baurechtliche Bedeutung
Der Drempel spielt eine wichtige Rolle bei der Frage, ob ein Dachgeschoss als Vollgeschoss zählt. Die Landesbauordnungen definieren Vollgeschosse unterschiedlich – und die Drempelhöhe kann den Ausschlag geben.
Vollgeschoss oder nicht?
Die meisten Landesbauordnungen knüpfen die Vollgeschosseigenschaft an die Fläche mit ausreichender Raumhöhe. Je höher der Drempel, desto größer wird die Fläche mit mindestens 2,30 m Höhe.
Ein Beispiel aus NRW: Ein Dachgeschoss ist ein Vollgeschoss, wenn es eine Höhe von 2,30 m über mehr als drei Viertel der Grundfläche des darunterliegenden Geschosses hat.
Mit einem niedrigen Drempel können Sie eventuell unter dieser Schwelle bleiben und ein zusätzliches Wohngeschoss realisieren, ohne die zulässige Vollgeschosszahl zu überschreiten.
Festsetzungen im Bebauungsplan
Manche Bebauungspläne setzen die maximale Drempelhöhe direkt fest. Eine typische Formulierung: Drempelhöhe maximal 0,80 m. Damit soll verhindert werden, dass Dachgeschosse zu vollwertigen Stockwerken werden und das Ortsbild stören.
Andere B-Pläne regeln die Traufhöhe, die indirekt auch die Drempelhöhe begrenzt.
Vorteile eines hohen Drempels
Ein höherer Drempel bringt verschiedene Vorteile:
Mehr Nutzfläche: Durch die größere Kopffreiheit können Möbel auch an den Außenwänden stehen.
Bessere Belichtung: Höhere Wandbereiche ermöglichen größere Fenster.
Flexiblere Raumaufteilung: Bäder und Küchen lassen sich leichter einrichten.
Wohnkomfort: Das Dachgeschoss fühlt sich weniger beengt an.
Nachteile eines hohen Drempels
Allerdings gibt es auch Nachteile:
Höhere Baukosten: Mehr Wandfläche bedeutet mehr Material und Arbeitsaufwand.
Baurechtliche Beschränkungen: Ein hoher Drempel kann dazu führen, dass das Dachgeschoss als Vollgeschoss zählt.
Optik: Ein zu hoher Drempel kann die Proportionen des Hauses stören.
Wärmebrücken: Der Übergang zwischen Wand und Dach ist energetisch kritisch.
Drempel bei verschiedenen Dachformen
Die Wirkung des Drempels hängt auch von der Dachform ab:
Satteldach
Beim klassischen Satteldach ist der Drempel besonders wichtig. Die Dachschrägen beginnen an beiden Traufseiten, sodass ohne Drempel die Kopffreiheit stark eingeschränkt wäre.
Walmdach
Beim Walmdach sind alle vier Seiten geneigt. Auch hier verbessert ein Drempel die Nutzbarkeit, allerdings ist der Effekt geringer als beim Satteldach.
Pultdach
Das Pultdach hat nur eine geneigte Fläche. Auf der hohen Seite ist ohnehin genug Kopffreiheit. Der Drempel ist daher weniger wichtig.
Flachdach
Bei echten Flachdächern gibt es keinen Drempel im klassischen Sinne. Die Attika übernimmt hier die Funktion des oberen Wandabschlusses.
Konstruktion des Drempels
Der Drempel wird meist aus dem gleichen Material wie die übrige Außenwand errichtet:
Mauerwerk: Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton
Holzrahmen: Bei Holzständerbauweise
Beton: Bei massiven Bauweisen
Wichtig ist die Verbindung mit der Dachkonstruktion. Der Ringanker am Kopf des Drempels nimmt die Kräfte aus dem Dach auf und leitet sie in die Wand ab.
Wärmedämmung
Der Drempel ist ein neuralgischer Punkt beim Wärmeschutz. Der Übergang von der Wand zum Dach muss sorgfältig gedämmt werden, um Wärmebrücken zu vermeiden.
Möglichkeiten:
Durchgehende Außendämmung über Wand und Dach
Dämmung der Dachschräge bis in den Drempelbereich
Dämmung des Drempels von innen (weniger optimal)
Drempelerhöhung im Bestand
Bei bestehenden Gebäuden kann der Drempel nachträglich erhöht werden – allerdings ist das aufwendig:
Dach muss angehoben oder abgetragen werden
Wand wird aufgemauert
Dach wird wieder aufgesetzt
Vor einer Drempelerhöhung sollten Sie prüfen:
Ist eine Baugenehmigung erforderlich?
Wird das Dachgeschoss durch die Erhöhung zum Vollgeschoss?
Passen die Festsetzungen des Bebauungsplans?
Planungshinweise
Bei der Planung eines Hauses mit ausbaubarem Dachgeschoss sind folgende Aspekte zu beachten:
Drempelhöhe: Die Wahl der Drempelhöhe sollte Nutzungsabsichten und baurechtliche Vorgaben berücksichtigen.
Bebauungsplan: Festsetzungen zur Drempelhöhe oder zur Vollgeschosszahl sind zu prüfen.
Fachplanung: Die optimale Drempelhöhe ist mit einem Architekten oder Fachplaner abzustimmen.
Wärmeschutz: Der Übergang zwischen Drempel und Dach erfordert besondere Aufmerksamkeit bei der Dämmplanung.
Kostenplanung: Eine höhere Drempelhöhe führt zu höheren Baukosten.
Fazit
Der Drempel ist ein konstruktives Element mit erheblichem Einfluss auf die Nutzbarkeit des Dachgeschosses und dessen baurechtliche Einstufung als Vollgeschoss. Die Festlegung der Drempelhöhe erfordert eine Abwägung zwischen Nutzungsanforderungen, baurechtlichen Vorgaben und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Eine fachkundige Planung unter Berücksichtigung der relevanten Bauordnung und eventueller Festsetzungen im Bebauungsplan ist empfehlenswert.
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