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Photovoltaikanlage auf Immobilien

Photovoltaikanlagen wandeln solare Strahlungsenergie in elektrischen Strom um. In mehreren Bundesländern besteht eine Solardachpflicht für Neubauten und umfassende Dachsanierungen.

Photovoltaikanlage auf Immobilien

Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) wandeln solare Strahlungsenergie mittels Solarzellen in elektrische Energie um. Die auf Gebäudedächern installierten Systeme dienen der dezentralen Stromerzeugung für Eigenverbrauch oder Netzeinspeisung. Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden gelten als zentrale Technologie der Energiewende und unterliegen in mehreren Bundesländern einer Installationspflicht für Neubauten.

Rechtliche Grundlagen und Solardachpflicht

Eine bundeseinheitliche Solardachpflicht existiert in Deutschland nicht. Die Regelungen obliegen den Landesbauordnungen der Bundesländer und weisen erhebliche regionale Unterschiede auf.

Baden-Württemberg: Vorreiterfunktion mit Solardachpflicht seit 1. Mai 2022 für Neubauvorhaben und seit 1. Januar 2023 für grundlegende Dachsanierungen bei Bestandsgebäuden (§ 8a Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg).

Nordrhein-Westfalen: Solarpflicht für Nichtwohngebäude seit 2022, für Wohngebäude seit 2024 bei Neubau und ab 2025 bei wesentlichen Dachsanierungen.

Niedersachsen: Solarpflicht für Neubauten seit Januar 2025, für Dachsanierungen ab Januar 2025.

Weitere Bundesländer: Berlin, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben ebenfalls Solardachpflichten eingeführt. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich nach Landesrecht.

Die Solarpflicht kann alternativ durch Solarthermie erfüllt werden, sofern die jeweilige Landesregelung dies zulässt.

Ausnahmen und Befreiungen

Die Landesgesetze definieren Ausnahmetatbestände, unter denen die Solardachpflicht nicht greift:

Denkmalschutz: Denkmalgeschützte Gebäude und Gebäude in Ensembleschutzgebieten können von der Pflicht befreit werden, wenn die Installation die denkmalpflegerischen Belange beeinträchtigt. Die zuständige Denkmalschutzbehörde entscheidet über die Befreiung.

Verschattung: Dächer mit erheblicher Verschattung durch Vegetation, Nachbarbebauung oder topographische Gegebenheiten sind ausgenommen, wenn der zu erwartende solare Ertrag unter definierten Mindestwerten liegt.

Dachausrichtung: Reine Norddachflächen oder Dächer mit ungünstiger Neigung können befreit werden, wenn die Wirtschaftlichkeit nicht gewährleistet ist.

Wirtschaftliche Unzumutbarkeit: Übermäßige finanzielle Belastung kann einen Befreiungsgrund darstellen, wobei verfügbare Fördermittel zu berücksichtigen sind.

Technische Hindernisse: Statische Ungeeignetheit des Dachtragwerks oder zu geringe Restnutzungsdauer des Gebäudes.

Die Befreiung ist bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde zu beantragen.

Investitionskosten

Die Investitionskosten für Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren erheblich gesunken. Die Preisstruktur orientiert sich an der installierten Nennleistung (gemessen in Kilowatt peak, kWp) sowie der Komplexität der Dachgeometrie.

Anlagenkosten ohne Speicher:

AnlagengrößeSpezifische KostenGesamtkosten
5 kWp1.500 - 2.000 €/kWp7.500 - 10.000 €
10 kWp1.200 - 1.800 €/kWp12.000 - 18.000 €
15 kWp1.100 - 1.600 €/kWp16.500 - 24.000 €

Die Kostenstruktur umfasst Solarmodule, Wechselrichter, Montagesystem, Verkabelung, Zählerschrank-Anpassung und Installation.

Batteriespeicher:

Batteriespeichersysteme erhöhen die Eigenverbrauchsquote durch zeitversetzte Nutzung des Solarstroms. Die Kosten belaufen sich auf:

SpeicherkapazitätKosten
5 kWh4.000 - 6.000 €
10 kWh7.000 - 11.000 €
15 kWh10.000 - 15.000 €

Komplexe Dachgeometrien (Gauben, Erker, verwinkelte Flächen) erhöhen den Montageaufwand und können die spezifischen Kosten um 10 bis 20 Prozent steigern.

Wirtschaftlichkeit und Amortisation

Die Amortisationsdauer von Photovoltaikanlagen wird durch mehrere Faktoren bestimmt: Investitionskosten, Eigenverbrauchsquote, Strompreisentwicklung und Einspeisevergütung.

Amortisationszeiten:

KonfigurationAmortisationsdauer
Anlage ohne Speicher9 - 12 Jahre
Anlage mit Speicher12 - 15 Jahre

Die Eigenverbrauchsquote ist der entscheidende Wirtschaftlichkeitsfaktor. Eingesparter Netzbezug (30 bis 40 ct/kWh) ist wirtschaftlich deutlich wertvoller als die Einspeisevergütung (8 ct/kWh).

Eigenverbrauchsquoten:

  • Ohne Batteriespeicher: 25 - 35 Prozent

  • Mit Batteriespeicher: 60 - 75 Prozent

  • Mit Batteriespeicher und Elektrofahrzeug: bis 80 Prozent

Eine Steigerung der Eigenverbrauchsquote von 30 auf 70 Prozent reduziert die Amortisationsdauer um 3 bis 4 Jahre.

Einspeisevergütung nach EEG

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine 20-jährige Einspeisevergütung für Solarstrom. Die Vergütungshöhe orientiert sich am Inbetriebnahmezeitpunkt und der Anlagengröße.

Vergütungssätze 2025:

AnlagengrößeVolleinspeisungEigenverbrauch (Überschuss)
bis 10 kWp12,9 ct/kWh8,2 ct/kWh
10 - 40 kWp10,9 ct/kWh7,1 ct/kWh

Die Vergütung sinkt monatlich um etwa 1 Prozent (Degression). Der Vergütungssatz des Inbetriebnahmemonats gilt für 20 Jahre ab Inbetriebnahme.

Steuerliche Regelungen

Die steuerliche Behandlung von Photovoltaikanlagen wurde mit dem Jahressteuergesetz 2022 erheblich vereinfacht:

Umsatzsteuer: Seit 1. Januar 2023 fällt auf Lieferung und Installation von Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden keine Umsatzsteuer an (§ 12 Abs. 3 UStG). Dies gilt für Anlagen bis 30 kWp je Wohn- oder Nichtwohngebäude.

Einkommensteuer: Für Anlagen bis 30 kWp (Einfamilienhaus) bzw. 15 kWp je Wohn-/Gewerbeeinheit entfällt die Einkommensteuerpflicht vollständig (§ 3 Nr. 72 EStG). Einspeisevergütungen und vermiedene Strombezugskosten sind steuerfrei.

KfW-Förderkredit: Das KfW-Programm 270 "Erneuerbare Energien - Standard" finanziert Photovoltaikanlagen mit vergünstigten Zinssätzen bis zu 150 Millionen Euro je Vorhaben.

Anlagenauslegung und Dimensionierung

Die optimale Anlagengröße orientiert sich am jährlichen Stromverbrauch des Haushalts und der verfügbaren Dachfläche.

Stromverbrauch: Ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht 2.500 bis 4.500 kWh/a. Die Anlage sollte dimensioniert sein, um den Jahresverbrauch zuzüglich künftiger Verbräuche (Elektromobilität, Wärmepumpe) abzudecken.

Flächenbedarf: Moderne Solarmodule benötigen 5 bis 6 m² Dachfläche pro kWp installierter Leistung. Hocheffiziente Module reduzieren den Flächenbedarf auf 4 bis 5 m²/kWp.

Dachausrichtung und Neigung:

  • Südausrichtung (±30°): Optimaler Ertrag (100%)

  • Ost-/Westausrichtung: ca. 80-85% des Südertrags, vorteilhaft für Eigenverbrauch durch gleichmäßigere Erzeugung über den Tag

  • Dachneigung 25-35°: Optimal für Süddächer

  • Flachdächer: Aufständerung in optimaler Neigung möglich

Installation und Fachbetriebe

Die Installation erfolgt durch qualifizierte Fachbetriebe mit Elektrofachkraft-Qualifikation. Zertifizierungen (z.B. RAL-Gütezeichen Solar) gewährleisten Qualitätsstandards.

Garantieleistungen:

  • Modulleistungsgarantie: 25 Jahre (lineare Degradation maximal 0,5-0,7% jährlich)

  • Wechselrichtergarantie: 5-10 Jahre (Verlängerungen gegen Aufpreis)

  • Installationsgarantie: 2-5 Jahre je nach Fachbetrieb

Die Anlageninstallation dauert bei Einfamilienhäusern typischerweise 1 bis 2 Tage.

Anmelde- und Genehmigungsverfahren

Baugenehmigung: In den meisten Bundesländern sind Auf-Dach-Anlagen auf Wohngebäuden genehmigungsfrei. Ausnahmen gelten für denkmalgeschützte Gebäude und in einigen Bundesländern für Anlagen über 10 kWp.

Netzanschluss: Anmeldung beim örtlichen Netzbetreiber vor Inbetriebnahme obligatorisch. Die Netzverträglichkeitsprüfung erfolgt durch den Netzbetreiber.

Marktstammdatenregister: Eintragung bei der Bundesnetzagentur binnen eines Monats nach Inbetriebnahme verpflichtend. Ohne Registrierung entfällt der Anspruch auf Einspeisevergütung.

Wohnungseigentum: Bei Eigentumswohnungen ist seit der WEG-Reform 2020 ein beschlussfähiger Antrag in der Eigentümerversammlung erforderlich. Ablehnungsgründe unterliegen erhöhten Rechtfertigungsanforderungen.

Systemkombinationen

Photovoltaik und Wärmepumpe: Die Kombination ermöglicht hohe solare Eigenverbrauchsquoten, da der Wärmepumpenstrom direkt aus PV-Erzeugung gedeckt werden kann. Ein Pufferspeicher verschiebt die Wärmepumpen-Laufzeiten in Zeiten hoher Solarstromproduktion.

Photovoltaik und Elektromobilität: Wallbox-Integration ermöglicht solares Laden mit Eigenverbrauchsquoten bis 60 Prozent bei tageszeitangepasstem Ladeverhalten.

Notstromfähigkeit: Spezielle Wechselrichter mit Ersatzstromfunktion oder Inselfähigkeit ermöglichen bei Netzausfall eine begrenzte Stromversorgung aus Batterie und PV-Anlage.

Wartung und Betrieb

Photovoltaikanlagen sind wartungsarme Systeme mit langer Lebensdauer.

Wartung: Jährliche Sichtprüfung empfohlen. Professionelle Wartung alle 3-4 Jahre zur Kontrolle elektrischer Verbindungen, Wechselrichter-Firmware und Modulverschmutzung.

Reinigung: In Regionen mit normalem Niederschlag selbstreinigend. Bei starker Verschmutzung (Landwirtschaft, Industrie) gelegentliche Reinigung durch Fachbetrieb sinnvoll.

Lebensdauer: Module 25-30 Jahre, Wechselrichter 10-15 Jahre, Batteriespeicher 10-15 Jahre.

Monitoring: Digitale Überwachungssysteme ermöglichen Echtzeitkontrolle von Ertrag und Systemstatus über Smartphone-App.

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