Bausparguthaben: Was Sie über Ihr angespartes Kapital wissen müssen
Das Bausparguthaben ist die Grundlage für Ihr Bauspardarlehen. Erfahren Sie, wie es sich aufbaut und was Sie damit machen können.
Bausparguthaben: Ihr Kapital im Bausparvertrag
Das Bausparguthaben ist der Teil der Bausparsumme, den Sie selbst einzahlen. Es bildet die Basis für Ihr späteres Darlehen - und bestimmt, wann der Vertrag zuteilungsreif wird.
Wie sich das Bausparguthaben aufbaut
In der Ansparphase zahlen Sie regelmäßig in Ihren Bausparvertrag ein. Üblich sind monatliche Sparbeiträge von 3 bis 5 Promille der Bausparsumme, häufig 4 Promille. Je nach Tarif sind auch höhere Raten möglich.
Bei einer Bausparsumme von 40.000 Euro wären das:
Mindestens 120 Euro pro Monat (3 Promille)
Typischerweise 160 Euro pro Monat (4 Promille)
Bis zu 200 Euro pro Monat (5 Promille) oder mehr bei Schnellspartarifen
Dazu kommen:
Zinsen auf Ihr Guthaben (je nach Tarif/Anbieter etwa 0,1% bis 1,25% p.a.)
Vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber (häufig bis 40 Euro pro Monat = 480 Euro pro Jahr)
Staatliche Zulagen: Arbeitnehmersparzulage (9% auf max. 470 Euro/Jahr, Einkommensgrenzen 40.000/80.000 Euro zvE) und Wohnungsbauprämie (10% auf max. 700/1.400 Euro, Einkommensgrenzen 35.000/70.000 Euro zvE)
Wie viel müssen Sie ansparen?
Die meisten Tarife verlangen ein Mindestguthaben von 40% bis 50% der Bausparsumme, bevor der Vertrag zuteilungsreif wird. Einige Tarife weichen davon ab (25-50%), aber 40-50% sind die Regel.
Bei 50.000 Euro Bausparsumme bedeutet das:
Bei 40% Mindestguthaben: 20.000 Euro
Bei 50% Mindestguthaben: 25.000 Euro
Erst wenn diese Schwelle erreicht ist, können Sie das Bauspardarlehen abrufen. Zusätzlich müssen auch die Mindestsparzeit und die Mindestbewertungszahl erreicht sein. Die genauen Voraussetzungen stehen in Ihren Vertragsbedingungen (Allgemeine Bedingungen für Bausparverträge, ABB).
Die Verzinsung des Guthabens
Die Guthabenzinsen liegen je nach Tarif und Anbieter aktuell etwa zwischen 0,1% und 1,25% p.a. Einige neuere Tarife bieten höhere Zinsen (z.B. Schwäbisch Hall FuchsChance mit 1,25% oder Alte Leipziger mit 0,9%), während viele Standardtarife weiterhin im Bereich 0,1-0,25% liegen.
Das bedeutet: Selbst bei höheren Guthabenzinsen arbeitet Ihr Geld nur mäßig für Sie. Gebühren (Abschlussgebühr, eventuelle Kontoführung) drücken die Rendite zusätzlich.
Deshalb ist Bausparen als reine Geldanlage meist unattraktiv. Der Hauptnutzen liegt in der Zinssicherung des späteren Darlehens, nicht in der Guthabenverzinsung.
Was Sie mit dem Guthaben machen können
Option 1: Darlehen abrufen
Der klassische Weg. Bei Zuteilungsreife nutzen Sie das Guthaben plus Darlehen für Ihre wohnwirtschaftlichen Zwecke - Kauf, Bau, Modernisierung.
Option 2: Nur das Guthaben auszahlen
Sie können auch nur das angesparte Guthaben auszahlen lassen und auf das Darlehen verzichten. Das macht Sinn, wenn Sie das Darlehen nicht brauchen oder die Konditionen inzwischen unattraktiv sind.
Aber Vorsicht bei der Wohnungsbauprämie: Für Verträge ab 2009 wird die Prämie grundsätzlich nur bei wohnwirtschaftlicher Verwendung ausgezahlt (§ 2 Abs. 2 WoPG). Eine prämienunschädliche Freiverwendung nach 7 Jahren gibt es nur für Sparer, die bei Vertragsabschluss unter 25 Jahre alt waren (einmalig), und in bestimmten Härtefällen. Bei rein privater Verwendung ohne wohnwirtschaftlichen Zweck wird die Prämie nicht ausgezahlt bzw. entfällt der Anspruch.
Option 3: Vertrag weiter besparen
Sie können auch nach Erreichen des Mindestguthabens weitersparen und die Zuteilung hinauszögern. Das erhöht Ihr Guthaben und verringert den Darlehensbedarf.
Option 4: Vertrag kündigen
Vor Zuteilungsreife ist eine Kündigung jederzeit möglich. Die Auszahlung erfolgt nach vertraglicher Frist, in der Regel 3 bis 6 Monate gemäß den Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge (ABB). Sie bekommen das Guthaben ausgezahlt - abzüglich eventueller Rückforderungen bei Förderungen.
Bausparguthaben als Eigenkapital
Bei der Baufinanzierung gilt das Bausparguthaben als Eigenkapital. Es verbessert Ihren Beleihungsauslauf und kann zu besseren Kreditkonditionen führen.
Beispiel: Sie kaufen für 320.000 Euro. Ihr Eigenkapital:
Erspartes: 40.000 Euro
Bausparguthaben: 25.000 Euro
Summe: 65.000 Euro
Das sind über 20% - ein solider Eigenkapitalanteil, der Ihnen günstigere Zinsen bringt.
Verpfändung des Guthabens
Manche Banken akzeptieren eine Verpfändung des Bausparguthabens als Zusatzsicherheit. Das kann sinnvoll sein, wenn das Eigenkapital knapp ist.
Der Ablauf: Sie verpfänden Ihr Bausparguthaben an die Bank. Diese hat dann im Notfall Zugriff darauf. Dafür gibt sie Ihnen bessere Konditionen oder finanziert einen höheren Anteil.
Wichtige Einschränkungen: Das Guthaben ist dann gebunden und steht nicht für andere Zwecke zur Verfügung. Zudem kann eine Beleihung oder Verpfändung des Bausparvertrags für die Wohnungsbauprämie prämienschädlich sein, wenn die daraus erlangten Beträge nicht unverzüglich wohnwirtschaftlich verwendet werden (§ 2 Abs. 2 WoPG). Lassen Sie sich hierzu beraten.
Tipps zum Bausparguthaben
Regelmäßig und frühzeitig einzahlen: Die Bewertungszahl, die über die Zuteilung entscheidet, basiert auf dem Zeit-mal-Geld-Prinzip. Frühere und ausreichende Einzahlungen erhöhen die Bewertungszahl. Regelmäßigkeit kann vorteilhaft sein, die genaue Gewichtung ist aber tarifabhängig und in den Allgemeinen Bedingungen (ABB) geregelt. Sonderzahlungen können die Zuteilung beschleunigen.
Förderungen nutzen: Vermögenswirksame Leistungen (häufig bis 40 Euro/Monat vom Arbeitgeber) und staatliche Zulagen (Arbeitnehmersparzulage bis 43/86 Euro bei Einkommensgrenzen 40.000/80.000 Euro zvE; Wohnungsbauprämie bis 70/140 Euro bei Einkommensgrenzen 35.000/70.000 Euro zvE) kosten Sie nichts extra, erhöhen aber Ihr Guthaben.
Zuteilungsprognose einholen: Fragen Sie bei der Bausparkasse nach, wann Ihr Vertrag voraussichtlich zuteilungsreif wird. So können Sie besser planen.
Alternativen prüfen: Wenn Ihr Guthaben kurz vor der Zuteilung steht, aber Sie das Darlehen nicht brauchen - rechnen Sie durch, ob sich eine Auszahlung lohnt.
Fazit
Das Bausparguthaben ist mehr als nur angespartes Geld. Es ist die Eintrittskarte zum Bauspardarlehen und kann als Eigenkapital bei der Finanzierung dienen.
Die Guthabenverzinsung ist - je nach Tarif zwischen 0,1% und 1,25% p.a. - überschaubar bis gering, vor allem nach Abzug von Gebühren. Der Hauptnutzen liegt in der Zinssicherung des späteren Darlehens, nicht in der Sparrendite. Ob sich das lohnt, hängt von Ihrer Situation und der Zinsentwicklung ab. Rechnen Sie genau nach und nutzen Sie alle verfügbaren Förderungen.
✓ Vielen Dank für Ihr Feedback!