EURIBOR: Der Zinssatz, der variable Darlehen steuert
Der EURIBOR ist der Referenzzins für variable Kredite in Europa. Erfahren Sie, wie er funktioniert und wann ein EURIBOR-Darlehen sinnvoll ist.
Zuletzt aktualisiert: 06.01.2025
EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate)
Der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) ist der Referenzzinssatz für unbesicherte Geldmarktgeschäfte zwischen europäischen Banken. Er dient als Basis für die Verzinsung variabler Darlehen und zahlreicher weiterer Finanzprodukte im Euroraum.
Definition und Berechnung
Der EURIBOR gibt an, zu welchem durchschnittlichen Zinssatz sich Banken mit erstklassiger Bonität im Euroraum untereinander unbesicherte Kredite gewähren. Die Berechnung erfolgt täglich durch den European Money Markets Institute (EMMI) auf Basis der Meldungen von Referenzbanken.
Laufzeitvarianten
Der EURIBOR wird für folgende Laufzeiten ermittelt:
1 Woche
1 Monat
3 Monate
6 Monate
12 Monate
Für variable Immobiliendarlehen in Deutschland wird überwiegend der 3-Monats-EURIBOR als Referenzzinssatz verwendet.
Aktuelle Entwicklung (Stand Januar 2026)
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank und des Bundesbank liegt der 3-Monats-EURIBOR zum Jahresbeginn 2026 bei etwa 2,0%. Prognosen der EZB, der Bundesbank und des ifo Instituts gehen für das Gesamtjahr 2026 von einem stabilen Niveau um 2,0% aus. Die historische Volatilität des EURIBOR zeigt erhebliche Schwankungen: 2021 befand sich der Satz im negativen Bereich, während er 2023 zwischenzeitlich über 3,5% lag.
Anwendung bei variablen Darlehen
Zinsberechnung
Bei variablen Darlehen setzt sich der Sollzinssatz aus zwei Komponenten zusammen:
Kreditzins = EURIBOR + Bankmarge
Die Bankmarge wird bei Vertragsabschluss fixiert und bleibt während der gesamten Darlehenslaufzeit konstant. Sie beträgt typischerweise 1,0% bis 2,5% und hängt von der Bonität des Darlehensnehmers, dem Beleihungsauslauf und der Marktsituation ab.
Zinsanpassungsintervalle
Die Anpassung des Zinssatzes erfolgt in regelmäßigen Abständen, üblicherweise vierteljährlich entsprechend der gewählten EURIBOR-Laufzeit. Bei Verwendung des 3-Monats-EURIBOR wird der Kreditzins alle drei Monate neu festgesetzt.
Berechnungsbeispiel: Bei einem Darlehen von 200.000 Euro, einem 3-Monats-EURIBOR von 2,0% und einer Bankmarge von 1,5% beträgt der aktuelle Zinssatz 3,5%. Dies entspricht monatlichen Zinskosten von etwa 583 Euro. Steigt der EURIBOR auf 3,0%, erhöht sich der Zinssatz auf 4,5% mit monatlichen Zinskosten von etwa 750 Euro – eine Steigerung um 167 Euro monatlich.
Einsatzbereiche von EURIBOR-Darlehen
EURIBOR-gebundene Darlehen eignen sich für spezifische Finanzierungssituationen:
Geeignete Szenarien
Kurzfristige Finanzierungen: Bei geplanter Ablösung innerhalb von 2 bis 3 Jahren, etwa durch Verkauf der Immobilie
Zwischenfinanzierungen: Überbrückung bis zum Verkauf einer Bestandsimmobilie
Hohe Eigenkapitalquote: Bei geringer Restschuld und kurzer geplanter Darlehensdauer
Spekulation auf Zinssenkungen: Bei Erwartung fallender Zinssätze, unter Inkaufnahme des Zinsänderungsrisikos
Ungeeignete Szenarien
Für langfristige Immobilienfinanzierungen über 15 bis 30 Jahre mit durchschnittlicher Eigenkapitalausstattung bieten Festzinsdarlehen deutlich höhere Planungssicherheit.
Zinsänderungsrisiko
Das Zinsänderungsrisiko bei EURIBOR-Darlehen ist erheblich. Historische Daten zeigen Schwankungen von über 4 Prozentpunkten innerhalb von zwei Jahren (2021-2023). Eine solche Zinssteigerung würde bei einem Darlehen von 300.000 Euro zu monatlichen Mehrbelastungen von bis zu 1.000 Euro führen.
Absicherungsinstrumente
Zinscap (Zinsobergrenze)
Darlehensnehmer können eine vertragliche Zinsobergrenze (Cap) vereinbaren. Überschreitet der EURIBOR zuzüglich Marge diesen Wert, wird der Zinssatz auf das Cap-Niveau begrenzt. Die Absicherung ist kostenpflichtig, entweder als Einmalzahlung oder als Erhöhung der Bankmarge.
Wandlungsoption
Einige Verträge enthalten Wandlungsoptionen, die eine Konversion in ein Festzinsdarlehen ermöglichen. Die Konditionen richten sich nach dem zum Zeitpunkt der Wandlung aktuellen Marktzinsniveau.
Einflussfaktoren auf den EURIBOR
Der EURIBOR wird primär durch folgende Faktoren beeinflusst:
Leitzinsen der EZB: Änderungen der Leitzinsen wirken unmittelbar auf den EURIBOR
Geldmarktliquidität: Verfügbarkeit kurzfristiger Liquidität im Bankensystem
Inflationserwartungen: Erwartete Preisentwicklung im Euroraum
Wirtschaftskonjunktur: Konjunkturelle Entwicklung und Wachstumserwartungen
Rechtliche Rahmenbedingungen
Der EURIBOR unterliegt seit der Finanzmarktkrise 2008 verstärkter Regulierung. Die EU-Benchmark-Verordnung (EU) 2016/1011 legt Anforderungen an die Ermittlung und Verwaltung von Referenzzinssätzen fest. Die Aufsicht obliegt der European Securities and Markets Authority (ESMA).
Vergleich mit Festzinsdarlehen
| Kriterium | EURIBOR-Darlehen | Festzinsdarlehen |
|---|---|---|
| Planbarkeit | Gering | Hoch |
| Zinsrisiko | Vollständig beim Darlehensnehmer | Während Zinsbindung beim Kreditgeber |
| Flexibilität | Hoch (kurzfristige Kündigung möglich) | Eingeschränkt |
| Anfangszins | Häufig niedriger | Höher |
Für die Entscheidung zwischen variablen und festen Zinssätzen sollte die individuelle Risikotragfähigkeit maßgeblich sein. Die Fähigkeit, Zinssteigerungen von 2 bis 3 Prozentpunkten ohne Gefährdung der Finanzierungsstabilität zu absorbieren, ist Voraussetzung für EURIBOR-Darlehen.
Quellen
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