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Sollzinsbindung: Zeitraum der Zinsfixierung bei Immobiliendarlehen

Die Sollzinsbindung definiert den Zeitraum garantierter Zinssätze bei Immobilienfinanzierungen. Erfahren Sie Auswahlkriterien, Kostenstrukturen und strategische Überlegungen.

Zuletzt aktualisiert: 12.01.2025

Sollzinsbindung

Die Sollzinsbindung bezeichnet den vertraglich fixierten Zeitraum, während dessen der Sollzinssatz eines Immobiliendarlehens unverändert gilt. Sie ist synonym mit dem Begriff Zinsbindung oder Zinsbindungsfrist und stellt einen zentralen Parameter für die Planungssicherheit und Gesamtkosten der Finanzierung dar.

Definition und rechtliche Grundlagen

Während der Sollzinsbindung bleibt der vereinbarte Zinssatz konstant, unabhängig von Marktentwicklungen und Leitzinsänderungen der Europäischen Zentralbank. Nach Ablauf der Sollzinsbindung wird für die verbleibende Restschuld eine Anschlussfinanzierung erforderlich, deren Konditionen den dann aktuellen Marktverhältnissen entsprechen.

Die Sollzinsbindung ist im Darlehensvertrag eindeutig zu definieren und unterliegt den Regelungen des BGB. Insbesondere § 489 BGB gewährt dem Darlehensnehmer nach Ablauf von 10 Jahren ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht mit sechsmonatiger Kündigungsfrist, unabhängig von der vereinbarten Sollzinsbindung.

Übliche Sollzinsbindungsfristen

Standardlaufzeiten

5 Jahre: Kürzeste übliche Bindungsdauer, typischerweise mit niedrigstem Zinssatz, aber höchstem Zinsänderungsrisiko.

10 Jahre: Marktstandard für Immobilienfinanzierungen, bietet ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Planungssicherheit.

15 Jahre: Erweiterte Planungssicherheit mit moderatem Zinsaufschlag gegenüber 10-jähriger Bindung.

20-30 Jahre: Maximale Zinssicherheit, erfordert signifikanten Zinsaufschlag, bietet jedoch vollständige Kalkulationssicherheit für nahezu die gesamte Tilgungsphase.

Marktübliche Konditionen

Die Zinsaufschläge für längere Sollzinsbindungen variieren je nach Marktsituation. Typische Aufschlagsstrukturen (Stand 2024/2025):

  • 10 auf 15 Jahre: +0,15% bis +0,30%

  • 10 auf 20 Jahre: +0,35% bis +0,60%

  • 10 auf 25 Jahre: +0,50% bis +0,80%

Kostenimplikationen unterschiedlicher Bindungsfristen

Berechnungsbeispiel

Ausgangssituation: 300.000 Euro Darlehenssumme, 2% anfängliche Tilgung

Szenario A - 10 Jahre Sollzinsbindung bei 3,5%:

  • Monatliche Rate: 1.375 Euro

  • Gesamtzinskosten 10 Jahre: ca. 82.000 Euro

  • Restschuld nach 10 Jahren: ca. 232.000 Euro

Szenario B - 15 Jahre Sollzinsbindung bei 3,75%:

  • Monatliche Rate: 1.438 Euro

  • Gesamtzinskosten 15 Jahre: ca. 139.000 Euro

  • Restschuld nach 15 Jahren: ca. 156.000 Euro

  • Mehrkosten gegenüber Szenario A (erste 10 Jahre): ca. 7.500 Euro

  • Absicherung gegen Zinsrisiko für Jahre 11-15: ca. 87.000 Euro Restschuld

Der Zinsaufschlag von 0,25 Prozentpunkten kostet über 15 Jahre etwa 11.300 Euro zusätzlich. Dafür entfällt das Risiko steigender Zinsen bei der Anschlussfinanzierung für weitere 5 Jahre.

Auswahlkriterien für die Sollzinsbindungsdauer

Marktzinsniveau

Niedrigzinsphase (unter 2%): Lange Sollzinsbindung (15-25 Jahre) empfehlenswert, um günstige Konditionen langfristig zu fixieren.

Durchschnittliches Zinsniveau (2-4%): Mittlere Sollzinsbindung (10-15 Jahre) bietet ausgewogenes Verhältnis.

Hochzinsphase (über 5%): Kürzere Sollzinsbindung (5-10 Jahre) kann sinnvoll sein, wenn fallende Zinsen erwartet werden.

Individuelle Risikotoleranz

Konservative Finanzierung: Längere Sollzinsbindung, höhere Planungssicherheit, Verzicht auf Spekulationsgewinne bei fallenden Zinsen.

Risikoorientierte Finanzierung: Kürzere Sollzinsbindung, Hoffnung auf fallende Zinsen, höheres Risiko bei Zinsanstieg.

Finanzielle Puffer

Knappe Budgets: Längere Sollzinsbindung reduziert Risiko nicht tragbarer Ratensteigerungen bei Anschlussfinanzierung.

Ausreichende Reserven: Kürzere Sollzinsbindung vertretbar, da Zinserhöhungen bei Anschlussfinanzierung verkraftbar.

Tilgungsgeschwindigkeit

Hohe Tilgung (3-4%): Restschuld sinkt schnell, Zinsrisiko bei Anschlussfinanzierung geringer, kürzere Sollzinsbindung vertretbar.

Niedrige Tilgung (1-2%): Hohe Restschuld am Ende der Sollzinsbindung, Zinsrisiko größer, längere Sollzinsbindung empfehlenswert.

Gesetzliches Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB

Nach Ablauf von 10 Jahren ab vollständiger Darlehensauszahlung kann jedes Immobiliendarlehen mit sechsmonatiger Frist gekündigt werden, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung anfällt. Dieses Recht besteht unabhängig von der vereinbarten Sollzinsbindung.

Praktische Konsequenz: Bei 15- oder 20-jähriger Sollzinsbindung besteht nach 10 Jahren die Möglichkeit zur vorzeitigen Ablösung ohne Strafzahlung. Die lange Sollzinsbindung stellt daher keine absolute Bindung dar, sondern eine einseitig zu Gunsten des Darlehensnehmers ausübbare Option.

Strategische Nutzung: Bei sinkenden Zinsen kann nach 10 Jahren zur günstigeren Konkurrenzbank gewechselt werden. Bei steigenden oder gleichbleibenden Zinsen verbleibt das Darlehen zum ursprünglich vereinbarten Zinssatz.

Restschuldentwicklung und Anschlussfinanzierungsrisiko

Restschuldprognose

Je kürzer die Sollzinsbindung und je niedriger die Tilgung, desto höher die Restschuld am Ende der Bindungsfrist. Eine hohe Restschuld erhöht das Zinsänderungsrisiko überproportional.

Berechnungsbeispiel bei 300.000 Euro Darlehenssumme, 3,5% Zinsen:

SollzinsbindungTilgungRestschuld am Ende
5 Jahre2%273.000 Euro
10 Jahre2%232.000 Euro
15 Jahre2%180.000 Euro
10 Jahre3%203.000 Euro
10 Jahre4%174.000 Euro

Sensitivitätsanalyse Zinsänderungsrisiko

Ausgangssituation: 230.000 Euro Restschuld nach 10 Jahren

Neuer ZinssatzMonatliche Rate (2% Tilgung)Mehrbelastung
3,5% (wie bisher)1.054 Euro0 Euro
4,5%1.246 Euro+192 Euro
5,5%1.438 Euro+384 Euro
6,5%1.629 Euro+575 Euro

Eine höhere Sollzinsbindung hätte die Restschuld reduziert und damit die Zinsrisiko-Exposition vermindert.

Vergleich: Sollzinsbindung vs. Forward-Darlehen

Eine Alternative zur langen Sollzinsbindung bei Erstfinanzierung ist die Kombination aus kürzerer Bindung und späterem Forward-Darlehen.

Beispiel:

  • Variante A: Sofort 15 Jahre Sollzinsbindung zu 3,75%

  • Variante B: 10 Jahre Sollzinsbindung zu 3,5%, dann Forward-Darlehen für Jahre 11-15

Variante B bietet mehr Flexibilität, erfordert jedoch aktives Management und trägt das Risiko höherer Forward-Aufschläge.

Verhandlung und Vergleich

Konditionenvergleich

Sollzinsbindungskonditionen variieren erheblich zwischen Kreditinstituten. Differenzen von 0,1 bis 0,3 Prozentpunkten bei identischer Bindungsfrist sind üblich.

Empfohlene Vorgehensweise:

  1. Angebote von mindestens 3-5 Kreditinstituten einholen

  2. Verschiedene Sollzinsbindungsfristen parallel kalkulieren

  3. Effektivzins vergleichen (berücksichtigt Nebenkosten)

  4. Sondertilgungsrechte und Tilgungssatzwechseloptionen prüfen

Verhandlungsspielräume

Bei guter Bonität und ausreichendem Eigenkapital bestehen Verhandlungsspielräume von 0,05 bis 0,15 Prozentpunkten. Mehrere Angebote erhöhen die Verhandlungsposition.

Empfehlungen nach Zinsniveau (Stand 2025)

Bei einem Zinsniveau um 3,5% für 10-jährige Sollzinsbindung wird folgende Strategie empfohlen:

Standard-Empfehlung: 10-15 Jahre Sollzinsbindung

  • Ausgewogenes Verhältnis zwischen Kosten und Sicherheit

  • Moderate Aufschläge für 15-jährige Bindung

  • Nutzung des 10-Jahres-Kündigungsrechts als Flexibilitätsoption

Für konservative Finanzierungen: 15-20 Jahre

  • Maximale Planungssicherheit

  • Absicherung gegen Zinsrisiko über längeren Zeitraum

Für flexible Finanzierungen: 10 Jahre

  • Kombination mit hoher Tilgung (3-4%)

  • Niedrige Restschuld reduziert Anschlussfinanzierungsrisiko

Zusammenfassung

Die Wahl der Sollzinsbindung stellt eine grundlegende strategische Entscheidung bei der Immobilienfinanzierung dar. Sie sollte das aktuelle Zinsniveau, die individuelle Risikotoleranz, die Tilgungsgeschwindigkeit und die finanzielle Reservenbildung berücksichtigen. Eine längere Sollzinsbindung kostet einen Zinsaufschlag, bietet jedoch Schutz gegen Zinserhöhungen bei der Anschlussfinanzierung. Das gesetzliche Kündigungsrecht nach 10 Jahren ermöglicht eine Neubewertung auch bei längeren Bindungsfristen und reduziert das Risiko einer zu langen Bindung erheblich.

Weiterführende Informationen

Deutsche Bundesbank: Statistiken zu Bauzinsen und Sollzinsbindungen Verbraucherzentrale: Ratgeber Baufinanzierung

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